Odessay

                                                    Praying mantis                         
                                                                                              
Life is strange and world is bad

!                                                                                                                                                                     

                                                                                                                                                                         

 

 

 

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Kapitelübersicht Odessay

1   Vorwort
2   Männerstatistik
3   Regen
4   Alles Gute kommt von oben
5   Alles Gute kommt von oben 2
6
  Noch nichts
7   Mein erstes Gedicht
8  
Was ich in meinem Leben nie mehr tue
9   Autos
10 Ein Gedanke

11 Brüller des Abends
12 Praying Mantis
13 Warum sind Männer doch liebenswert?
14 Wurst
15 Mein Atem riecht nach Kompost
16 Ängste
17 Poster

18 Oh je
19 Fanpost
20 Ein Abend in der Bar
21 Das Thermalbad
22 Langeweile vs. Ruhe
23 Der Mann im Restaurant
24 Asiatisches
25 Das Ginkgo-Blatt
26 Meine Güte
27 Über die zerstörerische Kraft von Ballonen
28 Interview mit einem angehenden Superstar
29 DJ Homestory
30 220 Volt
31 Leser vs. Musikhörer
32 Lach doch mal
33 Der Mini

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Das Leben der Rosa R.

 

Vorwort

Rosa R. ist eigentlich ein ganz liebes, braves und angepasstes Mädchen. Nur sie selbst weiss, welche Vulkane in ihrem Innern brodeln! (Ha! Wie pathetisch! Ein guter Anfang, oder?!)

 

Männerstatistik

Statistiken sind doch etwas tolles: Sie scheinen so anschaulich und klar über ein Thema zu informieren, das vielleicht in Wirklichkeit gar nicht so einfach und klar und präzise ist. Zum Beispiel die Statistik, mit der Pantene beweisen will, dass es das vertrauenswürdigste Shampoo der Schweiz ist. Hundert Frauen wird ein gratis Shampoo angeboten, wenn man anschliessend eine kleine Auswertung vornimmt. Und man kann dabei sogar noch mehr Produkte gewinnen. Nun sage mir, wer würde da nicht nur super positive Sachen ankreuzen, im Hinterkopf die zu gewinnenden Produkte? Oder Zigarettenmarken: 73% aller Personen, die am Wettbewerb im Pub teilgenommen haben, rauchen laut ihrer Aussage Lucky Strike. Klar, bestimmt, weil Lucky Strike die Stammmarke all dieser Leute ist. Die gratis Zippos haben damit höchstens ganz weit entfernt etwas zu tun. Ich jedenfalls steh da schon mehr auf Statistiken, die ich verstehe und auch die Tricks dahinter kenne. Wenn ich weiss, auf welche Weise sie frisiert worden sind. Deshalb mache ich meine wichtigste Statistik selbst. Man nehme: Verschiedene willige Männer. (Gutes Aussehen ist Geschmackssache, deshalb schreibe ich nicht darüber.) Man mache sie etwas an, schmiere ihnen etwas Honig um den Mund, betone ihr gutes Aussehen, und schon hast du sie im Sack. (am Sack?) Sie sind sehr bereitwillige Versuchskaninchen, wenn man sie nur in den richtigen Versuch einbindet. Am besten aber weiht man sie gar nicht erst in die (für sie) schwierig verständlichen Hintergründe des Tests ein, sondern lässt sie im guten Glauben, sie seien die Auserwählten. Jetzt ist der Test an der Reihe: Schamlos amüsierst du dich mit ihnen, machst alles, was dir Spass macht (ganz wichtig!), und dann, wenn dir die Lust vergangen ist, kannst du auswerten. Wie viele Punkte macht er bei Schwanz? Wie viele erreicht er bei Auto? Zärtlichkeit? Treue? Und dann lässt du sie tanzen. Sie haben dich versetzt? Minus 8 Punkte. Sie haben dich nicht zu einem Drink eingeladen? Minus 6 Punkte. Sie haben eine neue Freundin? Das ergibt ein Minus-Total in der Schlussabrechnung! Und wie herrlich ist doch diese Auswertung, wenn man sie sich vor Augen hält, während man ihnen per Zufall wieder einmal gegenüber sitzt... Und sie meinen immer noch, sie hätten dich angemacht und du seist unbeholfen in ihre clevere Falle gestolpert. Irren ist männlich...

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Regen

Heute war wieder einmal so ein Tag. Ich bin nach draussen gegangen, um meine Einkäufe zu tätigen. So etwa wie Carrie in Sex and the City. Durch die Stadt geschlendert, da und dort etwas angeguckt und vornehm getan. Irgendwann wurde mir das langweilig, und ich besann mich, weshalb ich wirklich raus gegangen war. Natürlich um Lebensmittel einzukaufen. Sehr banal halt, gar nicht wie Carrie aus Sex and the City... Jedenfalls liess ich mir schnell ein gutes Nachtmahl einfallen (Gefüllte Zucchetti mit Polenta, mmh!) und ging schnurstracks in die Migros, die ich kurz darauf als stolze Besitzerin der zum Mahl nötigen Lebensmittel (sowie einem Pack Pommes Chips - Pfui!) wieder verliess. Da wollte mir das Wetter aber gar böse: Es regnete in Strömen! Der Mann neben mir teilte mir mit, das könne nicht allzu lange dauern. Nun gut. Ungeduldig wartete ich, belauschte die Kinder neben mir (Mammi, Mammi, können wir nicht schon jetzt ein bisschen Poulet essen?) und beobachtete einen betagten Herrn dabei, wie er immer wieder, ohne Erfolg versuchte, ein zu grosses Couvert in den Briefkasten einzuwerfen. Jedenfalls wurde mir das Ganze irgendwann zu blöd. Ich mag nämlich nicht warten. Ich zog meine Lederjacke aus (die ist zu schade für den Regen), packte sie in die Tasche mit den Lebensmitteln und machte mich auf den Weg. Die Familie neben mir warf mir, Poulet essend, einen Blick zu. Der Regen war anfänglich gar kein Problem. Nur begann es immer stärker zu Tropfen! Klitschnass hatte ich endlich das Café im Blickfeld, das in unserem Haus in der untersten Etage liegt. Mit letzten Kraftreserven rannte ich - links und rechts eine Einkaufstasche - vor einem Auto über die Strasse, damit dann genau vor dem Café eine der Papiertaschen den Geist aufgab und sich ihr gesamter Inhalt vor den Kaffeeschlürfern und Colatrinkern ergoss. Dies war aber noch nicht genug! Durch den Regen aufgeweicht, riss der Polentasack auf und der gelbe feinkörnige Mais rann, langsam verklumpend, über meine heiss geliebte Lederjacke. Wie mühselig ich anschliessend den kaputten Sack Polenta und die übrigen Lebensmittel in die Wohnung transportierte, darüber mag ich gar nicht schreiben. Aber der Mann, der vor mir rannte und mir trotzdem nicht behilflich war, der kann noch was erleben!

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Alles Gute kommt von oben

Mir hat tatsächlich ein Vogel auf die Stirne geschissen. Wo gibts denn so was? Ich kann mich nur noch wundern. Ich habe bisher immer geglaubt, solche Situationen gibts nur in Filmen. Welcher reale Vogel hat schon die Präzision, genau auf jemanden zu treffen? Vogelscheisse in der Augenbraue fühlt sich schrecklich an, und sie hat so eine Ausdünstung, die spürst du bis ins Auge, es beginnt ein bisschen zu tränen. Ziemlich ätzig. Die Konsistenz eines Vogelkots verläuft von flüssig bis leicht körnig. Dies stellte ich unmittelbar nach dem Vorfall fest, denn natürlich bildete ich mir zuerst ein, es sei ein Regentropfen, und wollte ihn wegwischen. Tja. Pech gehabt! Ein kleiner Trost für mich: Unter den Blinden ist der Einäugige König! Da hab ich also trotzdem noch ein wenig Hoffnung...

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Alles Gute kommt von oben 2

Tatsächlich, auch heute schien mir der Himmel wohlgesinnt. Allerdings, wie das Sprichwort schon sagt, kann es auch einmal des Guten zu viel sein... Nach einem herrlichen Tag an der Expo in Biel wollten wir ein wenig am Seeufer relaxen. Wir ruhten uns gemächlich aus auf dem schmalen, langen Steg. Zuerst präsentierten sich uns eine Schar Synchronschwimmerinnen. Hut ab, die tauchten und planschten in Wasser, in dem wir kurz zuvor einen toten, aufgedunsenen Raben erblickt hatten. Dann versuchten junge, starke und gut gebaute Gecken mit ihren Wakeboard-Künsten unsere Aufmerksamkeit zu erlangen. (Was ihnen natürlich auch gelang...) Als krönenden Abschluss sollten drei verschiedene Gleitschirmakrobaten auf dem Steg landen. Das war sehr spannend, denn wir sonnten uns ja auf diesem Steg auf unserem Badetuch und konnten somit alles bequem und aus nächster Nähe beobachten. Der Erste landete, tipptopp, ohne Probleme. Grosser Applaus von unserer Seite. Der Zweite, schon etwas wagemutiger, hatte noch seinen Kumpel mit unter den Schirm gepackt, und im Tandem landeten auch sie perfekt abgestimmt auf dem (wirklich sehr) schmalen Steg. Der Dritte, seines Zeichens Europameister im Gleitschirmfliegen, wurde dann aber übermütig. Er hatte seine Freundin im Sack vor sich hängen, und holte mit einer grossen Kurve Schwung, um bravourös zu landen. Meine Freundin bemerkte bereits beim Anflug des Europameisters nervös, die Landung könnte etwas knapp bemessen sein, im dümmsten Fall könnte er uns direkt ins Wasser werfen. Einen Sekundenbruchteil später setzte der Gleitschirm-Könner auf, genau auf uns zu. Wir konnten uns blitzschnell ausser Gefahr rollen, für die Gleitschirmakrobaten aber nichts mehr tun. Nachdem es die beiden noch etwa zwei Meter über unser Badetuch, unsere Taschen und den rauen Beton des Stegs geschleift hatte, landete die im Sack höckelnde Dame im Wasser und der dafür verantwortliche Mann mit dem Gesicht auf dem Steg. Autsch! Anstelle dass sich irgend jemand bei uns entschuldigt hätte für den unangebrachten Angriff, wurden wir sofort vom Steg gejagt. Ich finde das eine Frechheit, immerhin wären die zwei ohne unsere Badetücher bestimmt weniger sanft gelandet. Und: wer detoniert schon gerne auf einem Betonsteg? Undank ist der Welten Lohn! (Ich habs ja schon immer gesagt!)

 

Noch nichts

Ja, so ist das, wenn einem nichts mehr in den Sinn kommt. Dann schreibt man nämlich über nichts. Aber auch das ist besser als gar nichts, oder? Ich fühle mich jedenfalls schon viel besser jetzt. Schön, dass du auch daran teil genommen hast...

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Mein erstes Gedicht

Schon früher, als ich noch klein war, habe ich mich intensiv mit der Sprache auseinander gesetzt. Damals allerdings konnte ich meine Gefühle und Gedanken am besten in Poesie-Form festhalten. Davon möchte ich dich, ach du mein  liebster Leser, gern überzeugen:

Weine nicht um den toten Hund, freue dich an dem lebendigen!
(Rosa R. im unschuldig Tier liebenden Alter von 12 Jahren.)

Die Sonne scheint hinter den Wolken, auch wenn du das Gegenteil behauptest.
(Rosa R. mitten in der pubertären Auflehnung gegen die Ansichten ihrer Eltern mit 14 Jahren.)

Seid nicht traurig, denn mit dem Tod beginnt die Ewigkeit.
(Rosa R. mit 16 Lenzen. Zu viel Deep Purple gehört.)

Einfach leben. Herum wirbeln wie ein Blatt im Wind. Sich treiben lassen. Die Arme heben und davon fliegen. Geniessen. Auskosten. Leben.
(Immer noch im elterlichen sorglosen Nest, ohne Kenntnis von der bösen Welt da draussen.)

Das Leben ist eine nie endende Symphonie, zu der ständig Neues hinzu komponiert wird.
(In dem - den Erwachsenwerdenden eigenen - Bewusstsein, alles vom Leben zu kennen und zu verstehen.17 Jahre)

Aber was,
wenn ich
es einfach nicht ertrage?
überlastet bin?
mich einsam fühle?
nicht mehr weiter weiss?
nicht mehr kann?
Bist du dann da?

(Mein Freund hatte auch noch andere Hobbys, als mir den Hof zu machen...)

Die Tragik des Lebens beruht auf dem Sinn.
(Immer noch 17. Das Auf und Ab der Hormone macht Rosa wirklich zu schaffen...)

Kein Winter ist so kalt, dass man nicht die Wärme eines Freundes verspüren kann.
(Meinem Freund wurde alles irgendwann zu bunt. Er verliess mich.)

Ist es nicht so, dass alles Erreichte nichts mehr bedeutet?
(hm... macht sogar jetzt noch nachdenklich. Ich hoffe immer noch, dass es nicht stimmt!)

Warum jemandem etwas vorspielen? Es gibt nur eine mögliche Form der Verwirklichung: Sich selbst darstellen.
(Erste unbefriedigende sexuelle Erfahrungen.)

Wer weiss, wie lange so ein Zündholz brennt?
- Aber wenn es entzündet ist, leuchtet seine helle Flamme, als ob sie unvergänglich wäre.
Carpe diem.

(Rosa R. verstand jetzt endlich, was das Wort "Lebensabschnittpartner" bedeutet.)

Verachtung geschieht leise, langsam und subtil. Der Puls ist immer noch derselbe.
(Hilfe! Mein Ex-Freund hasst mich!!!)

Herbst
oder: Das rastlose Gefühl, jetzt dringend jemanden zu brauchen, mit dem man den Winter verbringen kann.
oder: Wenn auch eine Badewanne pro Tag nicht mehr genug Wärme spendet.

(Die Frau-Werdung geht einher mit einem starken Bindungsdrang. 18 Jahre.)

Winter
Eiskalter Todeshauch

(Ich muss korrigieren: "... geht einher mit einem immer stärker werdenden Bindungsdrang"...)

Schön, oder?!

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Was ich in meinem Leben nie mehr tue

Gestern sass ich in einem Restaurant, mit mir am Tisch fünf Männer. Wir unterhielten uns darüber, ob es im Leben etwas gibt, dass man nie mehr tun würde. Natürlich, schon James Dean hat heraus gefunden, dass man niemals nie sagen sollte. Ich wurde trotzdem fündig, im Gegensatz zu meinen Gesprächspartnern. Die finden alle Erlebnisse in ihrem Leben so gut, dass sie alles wieder machen würden. Na toll. So selbstzufrieden können doch nur Männer sein, oder?! Hier meine Liste von Dingen, die ich nie mehr machen möchte:

1.) Im Restaurant reklamieren, bevor der Hauptgang aufgetragen wurde
2.) Mit Flexfüssen und gespreizten Armen vom 10 Meter Turm springen.
3.) Meiner Schwester erzählen, dass mein Freund im Bett unschlagbar ist.
4.) Meine Schamhaare mit Kaltwachs entfernen.
5.) Nach fünf Tequilas Auto fahren.
6.) Einen Taliban am Bart zupfen.
7.) Puch Maxi fahren.
8.) Mit dem Freund in die Ferien fahren, wenn eh schon Krisenzeiten herrschen.
9.) Ausprobieren, einen Molotov-Cocktail zu basteln.
10.) Eifersüchtig sein
11.) Mit vier kleinen Kindern gleichzeitig einkaufen gehen.
12.) Einem Mann erklären, dass auf Pferden reiten und Sex nichts miteinander zu tun haben.
13.) In Japan ein Essen bestellen, ohne zu verstehen, was es ist.
14.) Allein in einem Kaff wohnen.
15.) Einen notorischen Lügner als Partner haben.
16.) An Silvester mit Leuten, die ich nicht ausstehen kann, in eine abgelegene, verschneite Hütte fahren.
17.) Mit einem alten, schleimigen Sack allein Auto fahren.
18.) Aus Wut mit voller Wucht gegen eine Mauer treten.
19.) Die Plattenspieler meines Freundes aus dem Fenster werfen.
20.) Den Jahrtausendwechsel feiern.

Und mit diesem letzten Punkt hätte ich dann auch die selbstgefälligen Herren geschlagen.

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Autos

Gestern habe ich etwas Seltsames gesehen. Ein Auto mit einem Schnorchel fuhr an mir vorbei. Neben der linken Scheibe, entlang der Türkante bis hinauf zu Dach hatte dieses Geländefahrzeug einen Schnorchel. Das erscheint mir jetzt doch etwas übertrieben, oder? Ich verstehe ja, dass die Überschwemmungen in letzter Zeit beunruhigend auf die Menschen gewirkt haben, aber dennoch ist das noch kein ausreichender Grund, paranoid zu werden. Der Fahrer hatte bestimmt das Gefühl, er könne dann mit seinem Amphibienfahrzeug den Helden spielen, falls es bei uns in Zukunft einmal zu solchen tragischen Zuständen kommen sollte. Oder vielleicht denkt er, er könne auf diese Weise in Krisensituationen Leben retten.  Ich finds trotzdem scheisse.

Ich sass auch spät am Abend immer noch draussen und liess mir die Geschichte mit dem Schnorchel durch den Kopf gehen. Da fuhr ein anderes Auto an mir vorbei, das meine Aufmerksamkeit erregte. Da hat doch tatsächlich ein Mann in seinen Felgen Lichtlein befestigt. Und wenn er fährt, leuchten seine Felgen abwechselnd rot, grün und blau auf. Meine Güte! Ein erneutes Zeichen, dass die Menschheit degeneriert...

 

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Ein Gedanke

Ist Business gleich Pussyness??

 

Brüller des Abends

Heute ist mir was Hammer-mässiges passiert: Ich war im Ausgang, und da hat sich meine Tischnachbarin darüber beklagt, dass die Leute in den Lokalen immer jünger werden. Das töne jetzt vielleicht ein bisschen eingebildet, aber es störe sie, wenn sich in den Lokalen so unreifes Gemüse rumtreibe. Ich verhalte mich in der Regel eher ruhig bei diesem Thema. Aus unerfindlichen Gründen bin ich nämlich meistens die Jüngstgeborene im Kreis. Heute jedoch schien es mir angebracht, das Alter meines Gegenübers zu erfragen. So alt sieht die doch gar nicht aus?! Ich konnte mich noch den ganzen Abend glänzend darüber amüsieren: Eine 15-jährige findet, dass die Leute in den Lokalen zu jung sind!! Wieher! Mutti findet das bestimmt auch...

 

Praying Mantis

Sicher interessiert es dich schon lange, was genau Praying Mantis bedeutet, oder? Ich habe mir jetzt eine gekauft, aus Gummi. Sie liegt auf meinem Computer und bedroht alle männlichen Wesen, die meine Wohnung betreten und (vor allem) verlassen. Ja, jetzt solltest du mal dein Englischwörterbuch hervor nehmen und nachschauen, was  Praying Mantis bedeutet... Mjam, mjam...

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Warum sind Männer doch liebenswert?

Diese Frage kann man sich wirklich stellen. Allerdings nicht mehr jetzt und nicht mehr heute. Jetzt gehe ich nämlich ins Bett. Aber ich werde mich bald möglichst mit dieser äusserst schwierigen Frage auseinander setzen. Bis ich wieder schreibe, werde ich praktische Erfahrungen in Sachen Männer sammeln. Vielleicht finde ich ja wider Erwarten doch etwas ?? (Anmerkung der Verfasserin: Leider lassen die Ergebnisse der Nachforschungen immer noch auf sich warten...)

 

Wurst

Bei uns im Geschäft ist das so: Viele Leute essen über den Mittag im Pausenräumchen. Vorher gehen wir meistens noch einkaufen, manchmal bringen wir aber auch selbst etwas mit. Soweit so gut. Wenn ich zum Beispiel Äpfel kaufe, dann kaufe ich nicht nur einen für mich, sondern ich entscheide mich (sozial) für einen grossen Sack Äpfel, damit die anderen Esser auch etwas davon haben. Und die wiederum machen das genauso. Gestern Mittag jedenfalls sind wir ins Pausenräumchen eingetreten und haben freudig entdeckt, dass uns eine gute Seele zwei schöne Platten mit Aufschnitt und Schinken bereit gestellt hat. Wir haben noch Brot eingekauft und uns dann freudig an diesem herrlichen Mahl gütlich getan. Der Aufschnitt war nicht besonders gut, aber einem geschenkten Gaul schaut man ja bekanntlich nicht ins Maul. Die Freude schlug aber bald in Ärger um, als eine erschienene Kollegin sich über unseren Appetit nur wundern konnte: "Was?! Ihr esst diesen abgelaufenen Müll noch?!" Es stellte sich heraus, dass ein (von nun an nicht mehr sehr beliebter) Kamerad im Kühlschrank seine seit zwei Monaten abgelaufene Wurst entdeckt hatte, sie aber nicht mehr essen mochte und sie (vermutlich noch auf den Stockzähnen lachend) uns aufgestellt hatte. Seither leide ich unter akuter Diarrhöe.

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Mein Atem riecht nach Kompost

Aber das ist noch nicht lange so. Das ganze Desaster begann ohne Vorwarnung: Ich war sehr konzentriert auf meinen Fernseher. Irgend etwas interessantes hat sich dort abgespielt. Leider weiss ich nicht mehr was, da ich kurz darauf völlig den Kopf verloren habe. Ich wollte mir, gespannt auf den Bildschirm glotzend, aus der vorweihnachtlichen Frucht- und Süssigkeitenschale ein Schokoherzchen nehmen. Ich wühlte kurz, packte das Ding und riss ungeduldig die Folie weg. Mmh, die Migros Schokoherzchen sind doch die besten... Ein vermeintlicher Rest der Schokolade blieb an meinem Handballen kleben. Ahnungslos leckte ich diesen weg und konzentrierte mich wieder auf den Film. Erst etwa fünf Sekunden später realisierte ich, dass das etwas an meiner Handfläche überhaupt nicht nach Schokolade geschmeckt hatte. Irritiert kontrollierte ich noch einmal die Abschleckstelle. Mich grauste: Was ich da über meine Schleimhaut aufgenommen hatte, war mitnichten Schokolade! Ich hatte beim Graben eine Clementine gestreift, die über und über mit grün-grauem Schimmel bedeckt war (so viel zur Beliebtheit von Früchten gegenüber von Schokolade...), und hatte diesen anschliessend aufgeschleckt! Was sollte ich bloss tun? Unverzüglich griff ich zur Kirschflasche aus der Bar, nahm einen kräftigen Schluck und spülte damit meinen Mund. (Nebenbei: Anschliessend genehmigte ich mir noch ein Gläschen Martini Bianco. Kann ja auch nicht schaden...)

Trotzdem musste ich heute die ganze Zeit gorpsen. Und alle wundern sich, woher dieser Verwesungsgeruch kommt...

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Ängste

Viele Menschen werden von Ängsten geplagt. Und deshalb ist dieses  Thema grundsätzlich nicht besonders lustig. Als ich aber eine Liste mit den verschiedenen Phobien las, bin ich fast zusammen gebrochen:

Aeronausiphobie Angst, durch Luftkrankheit sich übergeben zu müssen
Aichmophobie Angst vor Punkten
Alliumphobie Angst vor Knoblauch (haben wir doch alle irgendwie...)
Allodoxaphobie Angst vor einer Meinung (kommt mir so bekannt vor... Haben sehr viele Leute)
Amathophobie Angst vor Staub (Ein Amathophobiker würde in meiner Wohnung nicht überleben...)
Amychophobie Angst, sich zu kratzen (so hart!)
Angrophobie Angst, wütend zu werden (hab ich manchmal auch)
Anophelophobie Angst, die Frau beim Sex zu verletzen (Anophelophobiker sind die zärtlichsten Liebhaber!)
Anthrophobie Angst vor Blumen (Ich glaube, die meisten Männer leiden darunter...)
Arachibutryrophobie Angst, dass die Erdnussbutter am Gaumen kleben bleibt (meine Güte, die Leute haben aber auch Probleme!)
Ataxophobie Angst vor Unordnung (ja, genau: Auch die Ataxophobiker hätten panische Zustände bei mir zuhause.)
Aulophobie Angst vor Flöten (Brüll!)
Autophobie Angst vor sich selbst (ich bin mein grösster Feind!)
Babushkaphobie Angst von Frauen gegenüber ihrer Grossmutter
Bargainophobie Angst vor Ausverkäufen (Davon sind in der Regel Männer betroffen, dünkt mich.)
Caligynephobie Angst vor schönen Frauen (Ach, deshalb sind manche Männer so abweisend zu mir - jetzt wird mir vieles klar...)
Carnophobie Angst vor Fleisch (in der Badi?)
Catoptrophobie Angst vor Spiegeln
Chaetophobie Angst vor Haaren (Sehr hart, ausser man leidet gleichzeitig noch an Catoprophobie, dann merkt man vielleicht gar nicht, dass man welche hat.)
Chrometophobie Angst vor Geld (haben Frauen grundsätzlich nicht.)
Clinophobie Angst, ins Bett zu gehen (haben vorwiegend Männer. Vor allem am Wochenende...)
Dentophobie Angst vor Zahnärzten (na ja, das haben wir doch alle ein wenig, gell...)
Emetophobie Angst, sich übergeben zu müssen (habe ich immer, wenn ich zu viel getrunken habe)
Friggaphobie Angst vor Freitagen (kenn ich aber niemanden, der das hätte...)
Hedonophobie Angst, Freude zu empfinden (autsch!)
Kathisophobie Angst, sich hinzusetzen (das ist aber anstrengend)
Lachanophobie Angst vor Gemüse (wirklich zum lachen!)
Medecophobie Angst, man sähe seine Erektion an einer Ausbeulung seiner Hose (prust!)
Neopharmaphobie Angst vor neuen Drogen (oh je...)
Panphobie Angst vor Allem
Peladophobie Angst vor Kahlköpfigen
Plutophobie Angst vor Reichtum (ich hab auch so Angst, bühü...)
Rhypophobie Angst vor dem Stuhlgang
Santaclausophobie Angst vor dem Weihnachtsmann, vor Weihnachten (da haben Mammi und Papi aber etwas falsch verstanden)
Sesquipedalophobie Angst vor langen Wörtern (bei der Therapie ist die Konfrontation mit dem Namen der Krankheit sehr wichtig und trägt zur Genesung bei.)

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Poster

Heute, weil es draussen so eisig kalt war, surfte ich zum Ausgleich ein wenig im Netz und fand diese Homepage:

Christliche Mystik - Christliche Liebe

Ich bin immer noch mit der Interpretation des Zusammenhangs zwischen Text und Bildern beschäftigt. Was möchte uns der Autor mitteilen? Ich finde die Bilder (oder ihre Inhalte) nicht unschön, nein. Aber irgendwie erinnern mich die Fotos doch sehr stark an meine Teenagerzeit, als wir in der Schule alle zusammen Poster bestellt haben, damit sie für jeden 50 Rp. günstiger wurden. Solche schwarz-weiss-Poster waren neben Airbrush-All-Landschaften der absolute Renner. Nur: Wo sind hier die Frauen?

 

Oh je

Jetzt plötzlich weiss ich auf einmal wieder, warum meine Site so heisst, wie sie heisst... Lange, lange habe ich es vergessen, mein Geist hat nicht mehr gewusst, warum "Life strange" und "world bad" sein soll. Aber leider scheint dieser Spruch prädestiniert zu sein, immer wieder in meinem Leben aufzutauchen. Vielleicht bin ich aber auch die Prinzessin auf der Erbse, die immer irgendwo etwas auszusetzen hat und die mit nichts zufrieden ist. Andererseits muss ich mich schon fragen, ob es tatsächlich der Sinn des Lebens sein soll, sich mit Halbheiten zufrieden zu geben. Kann denn verflucht noch mal dieses Scheissleben nicht einfach so sein wie ich es mir wünsche? Kann nicht einmal, nur dieses Mal einfach alles perfekt sein? Bisher fast immer seit ich denken kann, konnte ich alles nur unter Vorbehalten geniessen. Ist das einfach die Realität, oder ist das nur dann so, wenn man nicht genügend Ausdauer hat, zu suchen bis man das Perfekte gefunden hat? Wenn ich das bloss wüsste... Und: gibt es das überhaupt, dieses Leben meiner Vorstellung, oder ist das nichts als Illusion? Was gäbe ich doch darum, es zu wissen. Endlich zu wissen, ob sich Konsequenz und Ehrlichkeit überhaupt lohnen. Was soll ich denn konsequent sein, wenn ich trotzdem immer vom Regen in die Traufe gelange und am Schluss unzufrieden bin? Heilige Scheisse, trotz meiner jungen Jahre fühle ich mich manchmal einfach so unglaublich müde. Muss das wirklich sein? Ich würde es so gern wissen...

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Fanpost

Letzte Woche ist mir etwas sehr Schönes passiert: Ich habe von einer unbekannten jungen Dame Fanpost erhalten. Begeistert las ich die Komplimente, labte mich daran wie an Honig. Die Lobpreisungen rannen mir die Kehle hinunter wie ein köstliches, unendlich wertvolles Lebenselixier. Wow!
Um einiges schlechter eingefahren ist mir anschliessend der Virus, den ich mir mit dem Mail herunter geladen hatte. Ich habe ihn natürlich nicht sofort entdeckt, und der Scheisswurm sandte sich unbemerkt an verschiedenste Adressen, als Absender meine Email-Adresse. Sehr nett, danke! Besonders freuen tu ich mich über die Sex-Links, die ich seither immer bekomme, und über die mit dem Virus infizierten Mails, die zurück kommen, weil die angegebenen Adressen nicht existieren. Blöder Computer. Jetzt habe ich mir ein neues Virenprogramm gekauft, ein gutes, nicht mehr eines aus dem Internet. Seither kollabiert der Compi jedes Mal fast, wenn ich meine Mails holen will: Virus hier, Virus da... Ich glaube, ich werde selber krank.

 

Ein Abend in der Bar

Arme Menschen, deren einziger Lebensinhalt sich in einer Flasche kaufen lässt...

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Das Thermalbad

Ich liebe das Baden. Vor allem in der kalten Winterzeit, wenn draussen die Luft unter null Grad ist. Dann suhle ich mich genüsslich im warmen, dampfenden Thermalwasser, plansche und flitze wie ein kleiner Delphin durch das klare Wasser. So war das auch gestern: Ich habe mich sehr auf den Badbesuch gefreut. Diesmal sollte es ein Solbad sein. Nun gut. Solbäder haben auf Hautkrankheiten eine lindernde und heilsame Wirkung, habe ich schon im Prospekt gelesen. Trotzdem war ich nicht ganz auf die Badegäste vorbereitet, die mich erwarteten. Die meisten Besucher waren nicht, wie sonst fast immer, junge, verliebte Pärchen. Sondern es waren viele betagte und kranke Menschen dort. Ich konnte einige Pilz- und Schuppenflechtenträger identifizieren, auch einige Schorf-ähnliche Erkrankungen fielen mir ins Auge. Und das war nur das Sichtbare! Einige Schwimmerinnen wurden mit dem Rollstuhl zum Bassin gefahren, um sich dann mit Hilfe ins Wasser gleiten zu lassen. Andere kamen mit den Krücken an den Bassinrand und flutschten dann vorsichtig ins Nasse. Ich gebe zu: Mir grauste ein wenig. Obwohl das Alter ganz bestimmt nichts ist, wovor man sich grausen sollte. Dennoch überlegte ich mir, wie sich diese Leute, die sich kaum mehr bewegen können, nach dem Stuhlgang zu reinigen pflegen. Ich sah sie, wie sie sich wohlig auf den Sprudelbänken räkelten und bekam eine Hühnerhaut. Einmal Urin und Kot gut durch gequirlt, bitte... Ich verliess fluchtartig das Warmwasserbecken. Ich stellte mir vor, dass es im Hamam nicht so unhygienisch sei und entschied mich für eine warme Dampfsauna. Die Bänke waren aus Stein, sehr angenehm, sehr warm. Sie waren mit einem lauen Wasserfilm überflutet. Ich lehnte mich beruhigt nach hinten, entspannte mich wieder und begann ein wenig von wärmeren Gegenden zu träumen. Jäh wurde ich aber aus meinem Tagtraum gerissen: Ein schreckliches Schmatzen ertönte, und gleich darauf nochmals dasselbe. Es waren zwei Personen aufgestanden. Man stelle sich vor: Die Menschen sitzen ab, und das Wasser unter ihrem Hintern verteilt sich gleichmässig an den möglichen Stellen. Die Bakterien und Pilzsporen jauchzen vor Freude: ein neues Opfer, und es bringt erst noch neue kleine Freunde mit! Juhu! Ich glaube, dass beim Aufstehen ein Schmatzen ertönt, weil die winzigen Tierchen vor lauter Freude über den Gast (und zukünftigen Gastwirt...) demselbigen einen dicken Abschiedskuss geben!

Wie dem auch immer sei: Ich werde nicht so bald wieder ein Thermalbad besuchen. Irgendwie gelüstet es mich nicht mehr... Aber lasst euch von meiner Erfahrung nicht abschrecken, geht trotzdem! Denkt einfach an mich, wenn ihr aufsteht und den schmatzenden Abschiedskuss hört...

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Langeweile vs. Ruhe

Im Moment kann ich nicht viel berichten. Das mag daran liegen, dass ich nicht allzu viel unternehme ausser zu arbeiten, ab und zu ins Kino zu gehen, zu essen und zu schlafen. Ich frage mich selbst: Bin ich langweilig? Eben erst habe ich ein Interview mit Liv Tylor gelesen. Sie hat sich bei der Reporterin entschuldigt, dass sie so langweilig wäre. Das hat mich stutzig gemacht: Ist man der Gesellschaft gegenüber  verpflichtet, nicht langweilig zu sein? Einerseits leuchtet mir das durchaus ein: Man konsumiert weniger, unterstützt/bereitet keine Trends et cetera, wenn man zuhause bleibt. Andererseits könnte es aber auch ein neuer (alter) Trend sein, im trauten Heim zu bleiben und Freunde zu einer netten Feier einzuladen. Nur: Die Freunde haben jedes Mal den unglaublich grossen Drang, mitten im gemütlichen, ruhigen Abend hektisch aufzubrechen, damit sie auf keinen Fall die Wahnsinns-Party verpassen, die letzte Woche schon nicht statt gefunden hat. Ich entscheide mich, wohl eher untrendy, für die Ruhe. Ja, ich nenne das Ruhe, nicht Langeweile. Ich glaube, ich bleibe gescheiter, wenn ich ab und zu einen Abend zuhause verbringe und ein gutes Buch lese, als wenn ich mich draussen mit Smalltalk über die Runden bringe. (Ich hoffe bloss nicht, dass dies bedeutet, dass man auf meiner Homepage von jetzt an nur noch bedeutungsschwangere Inhalte lesen kann. Das würde mich von mir selbst sehr enttäuschen... Bin ja nicht Peter Bichsel...) Auf die Ruhe in unserem Leben!

Und nur noch kurz nebenbei: Es gibt da ja auch einen Film: A life less ordinary. Der ist blöd! Das untermauert meine Meinung zusätzlich! Ha!

 

Der Mann im Restaurant

Gestern war ich essen. Es hat gut geschmeckt. Wenn da nur nicht der Mann am Tisch neben mir gewesen wäre, der in den Teller erbrochen hat.

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Asiatisches

Vorausschicken möchte ich, dass ich Schweizerin bin. Ich glaube, die Kelten sind die ersten Ausländer in meinem Stammbaum. Aber das hat mich noch nie wirklich interessiert.

Als ich etwa fünfzehn war, beschäftigte ich mich (wie alle Teenager) sehr stark mit meinem Aussehen. Irgend jemand, ich glaube, meine Sologesangslehrerin, hatte mal beiläufig erwähnt, dass ich asiatische Züge hätte. Ein Blick in den Spiegel bestätigte mir, was sie angesprochen hatte: Ich hatte eindeutig asiatische Augen! Mir war die Mandelform meiner Augen vorher gar nicht aufgefallen. Auch die Breite meines Gesichts deutete ich fortan als Zeichen meiner Japanischen Herkunft. Ich wurde ganz besessen von dieser Idee. Meine Haare färbte ich blauschwarz, ich wollte meine vermeintlichen Wurzeln nicht verleugnen! Den Höhepunkt meiner Asiengeschichte erlebte ich, als ich einmal allein im Zug nach Zürich unterwegs war. In Baden stiegen eine Menge Leute hinzu, unter anderem auch eine freundliche junge Japanerin. Als sie an mir vorbei ging, lächelte sie mir zu. Ich lächelte natürlich zurück und erkannte in ihrem Blick eine schwesterlich-segnende Güte. Ich fühlte mich in diesem Moment so stark, so verbunden mit dieser Kultur. Das konnte kein Zufall sein! Sie hatte mich erkannt!

Noch heute ist es mir leicht unangenehm, wenn mir jemand aus dem Orient zulächelt...

 

Das Gingko-Blatt

Ha! Da habe ich mich doch immer darüber gefreut, dass ich meine E-mails, anstelle eines Attachment-Symbols oder eines Dringlichkeits-Ausrufezeichens, mit einem Gingko-Blatt versehen kann.

(Das Ginkgo-Blatt)

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Ich habe dieses Gingko-Blatt immer angeklickt und war stolz darauf, dass ich bestimmt die Einzige bin, die diese fantasievolle und kreative Möglichkeit der E-mail Verschönerung nützt. Natürlich war ich erstaunt darüber, dass ein Microsoft Produkt (Outlook express) diese Variante überhaupt bietet. Und erst noch das Symbol eines Baumes, den vermutlich niemand kennt ausser mir (so stelle ich mir die Welt manchmal vor)! (Der Ginkgo ist nämlich - ich stelle mir auch vor, ich müsse das hier erklären - ein in Asien heimischer Zierbaum mit fächerartigen Blättern, hier nur noch sehr selten anzutreffen und geschützt.) Der langen Rede kurzer Sinn: Ich war sehr begeistert von meiner Entdeckung. Aber wie das Leben so spielt, ein Bekannter musste mir den Spass verderben: Es hat sich in einer für mich sehr peinlichen Situation heraus gestellt, dass das Ginkgo-Blatt kein solches, sondern nur ein blödes, banales, scheiss Fähnchen ist. Pah! Da sieht man mal wieder, wer Fantasie sein Eigen nennen kann und wer nicht!

 

Meine Güte

Du lieber Himmel, ihr werdets nicht glauben -ich glaube es selbst kaum: Ich habe tatsächlich Schreibstau. Pah!

 

Über die zerstörerische Kraft von Ballonen

Bin entsetzt genug, um wieder schreiben zu können. Das ist ja beruhigend... Heute liess ich mich - wie ein kleines Kind - von farbigen Ballonen anlocken. Herrje! Typisch... Ich hatte sie den ganzen Nachmittag lang schon in den Himmel steigen sehen, und zeitweise erahnte ich sogar Musik. Am Abend hielt ich es dann nicht mehr aus: Ich musste einfach wissen, was da vor sich ging. Ich folgte der Ballonspur und landete im neuen Einkaufszentrum. Ah, klar, das hat ja heute Eröffnung. Ich scherte mich wenig um die Traube von Leuten, die den Eingang belagerten und trat ein, um das neue Gebiet zu erobern. Wow, ich war entzückt! So viele Läden, so viele Kleider zum anprobieren, etliche Taschen, die nach meiner Schulter lechzten, Schuhe, die nach Sommer riefen! Ich bahnte mir meinen Weg durch einen Shop nach dem anderen. Überall waren die Gänge verstopft von Kinderwägen und voller kreischender Kinder. Eine Einkaufsparkeröffnung scheint DER gesellschaftliche Anlass zu sein, den man als Mutter mit Kind auf keinen Fall verpassen darf. Leicht genervt vom Gequengel des Balgs in der Kabine vor mir entschied ich mich trotzdem, zu warten und eine Hose anzuprobieren. Sie gefiel mir sogar! Ich stellte mich also in die Schlange vor der Kasse und wartete wieder. Zum Zeitvertreib betrachtete ich die Kleider, die sie geschickt neben der Warteschlange platziert hatten. Es ereignete sich das, was eigentlich bei keiner so geübten Konsumentin wie mir passieren dürfte: ich wollte unbedingt noch zwei weitere Teile anprobieren! Ich deponierte meine bereits auserwählte Hose bei der Verkäuferin an der Kasse, so dass ich die nicht auch noch mitschleppen musste (nicht die Verkäuferin und die Kasse sind gemeint, sondern die Hose.). Was jetzt ablief, ist ungefähr das selbe wie oben erwähnt, nur mit dem Unterschied, dass eine Verkäuferin versehentlich die Türe des Umkleideverschlags öffnete, als ich barbusig und in Unterhosen da stand. Zum zweiten Mal stellte ich mich in die Schlange (angezogen natürlich). Warten. Dann kam ich endlich an die Reihe. Ich zückte nervös meine Karte und wies darauf hin, dass ich noch eine Hose hier gelassen hätte. "Oh, das tut mir aber leid, die habe ich wieder zurück gehängt." Ich konnte ein leises Knurren nicht unterdrücken. Die Dame machte keine Anstalten, ihren Fehler wieder gut zu machen, also packte ich all mein Hab und Gut wieder ein und machte mich erneut auf die Suche nach meiner Hose. Dann lief alles glatt: anstehen, zahlen, möglichst schnell verschwinden. Erst Richtung Ausgang stach mir Bratwurstduft in die Nase. Je näher ich zur Pforte zur Freiheit vorrückte, desto stärker wurde er. Ich bekam richtig Lust auf eine feine, knusprig gebratene Wurst. Bis ich die Leute sah. Zwei Dutzend Bratwurst fressende Dicksäcke mit Wabbelbäuchen und/oder  Hängebusen. Fettleibige Kinder mit Senf am Kinn. Picklige "Ich bin schon 40 - na und?"-T-shirt träger. Ich raffte meine Taschen zusammen und rannte nach Hause. Ich stellte mich auf die Waage. Ich hatte das Gefühl, allein schon bei diesem Anblick mein in harter Disziplin abgenommenes Kilo wieder zugenommen zu haben. Aber alles war gut. Ich gehöre nicht zu diesen Leuten... Mann, habe ich meine Zigarette genossen...

Nächstes Mal folge ich den Ballonen nur noch, wenn sie mit Lachgas gefüllt sind.

 

Interview mit einem angehenden Superstar

Als Autorin kenne ich natürlich viele bekannte und umjubelte Leute. Mich interessiert immer die Geschichte, die hinter diesen Leuten steckt. Wie sind sie zum Star geworden? Welche Qualitäten braucht ein Star? Woher kommt das Selbstvertrauen, das es dazu braucht? Und um diesen Fragen nachzugehen, habe ich mich entschlossen, nicht den gängigen Weg zu gehen und eine Person zu befragen, die bereits in aller Munde ist, sondern einen Menschen mit sehr viel Starpotential auszufragen, von dem wir garantiert noch viel hören und sehen werden. Es ist verständlich, dass die Person hier in diesem Interview ihren Namen nicht bekannt geben möchte. (Ich konnte ihr leider nicht genügend Geld bieten.)

Location: Wir befinden uns im Kaufleuten in Zürich in der VIP Lounge. Es ist recht ruhig, ausser uns sind nur noch ein paar Missen und Kokser anwesend.

Stimmung: Etwas steif

Style: Star: Trägt eine dunkle Gucci Sonnenbrille und eine Dächlikappe, damit man sie nicht erkennt. Ausserdem grosse Abendgarderobe: Ein extravagantes tief ausgeschnittenes, edel kanariengelbes D&G Kleidchen und Prada Stiefelchen.

Rosa: Wie kommt es, dass du ein so grosses Starpotential hast? Man schaut dich an, und sofort ist allen klar, dass du ein Star werden wirst.
Star: (Räkelt sich auf dem Stuhl zurecht) Hmmm... Tja, das ist halt so...

Rosa: Welche deiner Rollen spielst du am liebsten?
Star: Hmm... Das ist schwierig... OH! Hallo Giusi! (haucht einen Kuss Richtung Giusi) Was hast du gefragt? Ah, welche Rolle... Ich weiss nicht recht... Die erfolgreiche Businessfrau?

Rosa: Ich habe in der SI gelesen, dass du dich, um Weltruhm zu erlangen, auch im Radio betätigen möchtest. Welche Art Sendung schwebt dir vor?
Star: (gelangweilt) Das hat nicht geklappt. Die Typen vom Radio bringen nichts auf die Reihe. Sie fanden, meine Stimme sei nicht Radiotauglich. Aber ich will jetzt sowieso mit Singen anfangen. (trällert) Wie findest du das?

Rosa (leicht irritiert und verlegen um eine Antwort): Liebst du das Leben als Star?
Star: Oh nein, ich hasse es! (fährt sich durch die Haare) Oh, hallo Maya! Ciao Marco! Bussi bussi (macht Kussbewegungen in Richtung Marco)! (Flüstert zu Rosa:) Die Maya ist so doof, meint sie sei was besonderes!

Rosa (leicht angewidert - Maya hatte IHR zugewunken): Hat angehender Ruhm auch negative Seiten?
Star: Oh ja, in der Tat! (richtet sich auf) Alle wollen dich unbedingt grüssen und hallo sagen, lassen dich nicht in Ruhe! (winkt aufgeregt einem ihr den Rücken zudrehenden Typen zu) Oh, hallo Daniel!

(Wir machen schnell eine WC Pause, damit sich der Superstar in spe von der Anstrengung des Interviewgebens erholen kann.)

Rosa: Wenn ich ein Star werden will: Was rätst du mir?
Star: (Auf einmal sehr nervös, tippelt mit dem Fuss): Also, ich könnte dir da einen super Coiffeur empfehlen! Und kauf dir doch schöne Kleider! Wie wärs mit einem total neuen Styling? Tanzen wir ein wenig?

Rosa (ungerührt, blickt auf das Blatt mit den Fragen): Erzähle uns von deinem Alltag. Kann man sich das als "normaler" Mensch überhaupt vorstellen?
Star: Ich glaube nicht. Es ist einfach unglaublich anstrengend. Immer diese Interviews, Fototermine etc... Und an jeder Party musst du gut aussehen (was für mich natürlich kein Problem ist), aber trotzdem... Ich glaube, das würdest du nie und nimmer aushalten... Wollen wir irgendwo hin gehen, wo mehr los ist?

Rosa: Stört es dich nicht, dass alle Leute denken, du seist oberflächlich?
Star: (Kein Kommentar, konzentriert sich auf ihren Lipgloss:) Ist der nicht schön? Ich glaube, ich gehe jetzt in den Supermarket. Kommst du mit? Nicht, okay, tschüss!

Ich bedanke mich recht herzlich für das Interview. Es war sehr interessant und lehrreich für mich. Leider mussten wir an dieser Stelle schon abbrechen, da es viel Zeit braucht, um möglicherweise kommende Konzerte, Filmrollen und Moderationen vorzubereiten. Ich wünsche meinem Gegenüber trotzdem viel Glück, Erfolg (aber das ist ja logisch) und Zuneigung von den Fans. Nehmt euch ein Beispiel daran!

 

DJ Homestory

Ich habe das Vergnügen, mit einem DJ zusammen zu wohnen. Das bringt so einige Vorteile:
1.) Mein Mitbewohner sorgt dafür, dass unsere Wohnung beständig von guter Musik beschallt wird.
2.) Bei uns zu Hause finden die besten Partys statt.
3.) Die Gäste werden, ohne das gross organisieren zu müssen, mit besten Klängen verwöhnt.
4.) Ich muss mir nie überlegen, ob wir wohl noch Bier im Haus haben.
5.) Aufräumen lohnt sich gar nicht , weil sowieso zwei Stunden später wieder Unordnung herrscht.
6.) Meine Eltern besuchen mich äusserst ungern und nur in Notfällen.
7.) Egal welche natürlichen oder chemischen Substanzen man begehrt, sie sind kurzfristig ins Haus lieferbar.
8.) Wir haben Spezialrabatt beim Pizzaservice.
9.) Ich weiss, wo die Hammerpartys steigen und komme gratis rein.
10.) Persönlich sehe ich einen Vorteil darin, immer frühzeitig über die neusten und besten Erscheinungen auf dem Musikmarkt informiert zu werden. Dann kann ich immer mitreden, ohne mich darum kümmern zu müssen.
Aber natürlich gibt es da auch einige Nachteile:
1.) Mein Mitbewohner sorgt dafür, dass unsere Wohnung beständig von Musik beschallt wird.
2.) Bei uns zu Hause finden immer die besten Partys statt - und ich räume nachher die Sauerei wieder auf.
3.) Unsere Nachbarn hassen uns wie die Pest.
4.) Seit ich mich weigere die Bierflaschen zu entsorgen, ähnelt unser trautes Heim einer Altglassammelstelle.
5.) Das Schlafzimmer ist ein Witz. Schlafen kann bei dieser Lautstärke sowieso niemand.
6.) Überall liegen Kabel herum, über die die angetrunkenen Gäste bei jeder sich bietenden Gelegenheit stolpern. Dies führt zu einer Kettenreaktion: Die ständig überfüllten Aschenbecher verstreuen ihren Inhalt auf dem Boden, die zerbrochenen Gläser hinterlassen Scherben...
7.) Pflanzen haben eine geringe Überlebenschance, da sie nur Qualm zum Atmen haben und regelmässig mit Bier gegossen werden.
8.) Ich hasse es, wenn sich die weiblichen Partygäste mit meinen Lidschatten und Lippenstiften nachschminken.
9.) Die vielen Freunde, die bei uns täglich ein und (seltener) aus gehen, zahlen keine Miete, räumen ihren Dreck nicht weg und sind empört, wenn die Zigaretten alle sind.

Aber alles in allem betrachtet gefällt es mir doch recht gut in meinem Zuhause.

 

220 Volt

Diese Woche ist der brasilianische Musikkumpan meines DJ Mitbewohners zu Besuch. Ich war sehr gespannt, denn schon vor seiner Ankunft hatte er uns mit der Ankündigung einer Überraschung sehr neugierig gemacht. Kaum angekommen, präsentierte er uns mit stolz geschwellter Brust seine zwei lang ersparten und neu erworbenen C-DJ-Player aus Brasilien. Im Gegensatz zu den begeisterten Oh- und Ah-Rufen meines Wohnpartners schrumpfte mein Interesse daran innert einer halben Sekunde gänzlich weg. Ich stand noch einen Moment Gefallen vortäuschend davor und schlich mich kurz darauf unbemerkt weg. Männer und ihre Geräte... Eigentlich interessierte ich mich bis heute nicht für diese super CD Player, nur wurde ich vorhin zwangsläufig damit konfrontiert. Es war so verdächtig ruhig in der Wohnung. Ich zwang mich aus dem Bett, um nachzusehen, was da los ist. Mit ratlosen Mienen standen die beiden Musiker vor dem Tisch mit den 1000 elektronischen Geräten und zuckten verzweifelt mit den Schultern. Sie wüssten auch nicht, was da los sei, aber die beiden funkelnagelneuen Geräte seien kaputt! Auf dem Boden kriechend verfolgten sie die Kabel bis zur Stromschiene, wo sie eingesteckt waren. Ein Schrei erklang: "Die sind ja bei der 220 Volt Schiene eingesteckt!" Na ja, dachte ich, was habt ihr denn gedacht? Ich hatte ein paar Tage zuvor den Boden sauber gemacht und stolperte aus Versehen über ein paar Stecker. Ordentlich wie ich bin, steckte ich sie aber fein säuberlich wieder ein. Nur waren sie, wie sich jetzt heraus stellte, vorher gar nicht eingesteckt gewesen. Ich war dummerweise nicht darüber informiert worden, dass in Brasilien die Apparate mit 110 Volt laufen, und dass man diese CD-Spieler auf gar keinen Fall in die normale Steckdose einstecken darf! Durch mein Einwirken ist da jetzt irgend etwas verbrannt und die Dinger sind kaputt. Ich meine, das hätten sie mir halt sagen müssen, oder? Und dass der Brasilianer jetzt nicht mehr mit mir redet, finde ich doch etwas übertrieben...

 

Leser vs. Musikhörer

Zum Musikhören braucht man die Intelligenz einer Buschbohne. Zum Lesen schon etwas mehr. Diese Erkenntnis hat mich heute beim Diskutieren in einer Bar erreicht. Alle kennen Galexico, aber wer ist Grass? Geredet wird über Coldplay, aber niemand kennt Coelho. Ich erkenne einfach keinen guten Grund, warum alle in Sachen Musik bewandert sind, aber so selten jemand in Literatur. Ausser dem Obengenannten...

 

Lach doch mal

Ich bin ein sehr unlustiger Mensch. Erst letzthin ist es mir an einer Party wieder passiert, dass eine junge Frau zu mir gekommen ist und gesagt hat, ich solle doch mal lachen. Einfach lachen. Dabei war ich mitten in einem Gespräch mit einem Freund. Trotzdem ist es dieser Tänzerin sofort aufgefallen, dass ich nicht den Mund verziehe. Jetzt mache ich mir natürlich entsetzlich viele Gedanken darüber. Lache ich wirklich zu wenig? Bin ich ein humorloser Mensch? (Nebenbei: Ich fand es auch überhaupt nicht lustig, als - dies an einer anderen Veranstaltung - ein mir unbekannter Mann zielstrebig auf mich zusteuerte und mir seine lange nasse Zunge zwischen die Zähne klemmte.) Habe ich wirklich keinen Sinn für das Lustige? Ist mein Serotoninspiegel im Vergleich zu dem anderer Leute zu niedrig? Ich schwankte hin und her zwischen dem Besuch des Abendkurses "Nehmen Sie das Leben auf die leichte Schulter - lernen Sie lachen" der Volkshochschule oder dem Konsum eines Serotoninpräparats. Inzwischen habe ich mich beruhigt und mir von jemandem sagen lassen, dass es schlichtweg einfach unpassend gewesen wäre, lauthals loszulachen, während mein Freund mir erzählt, dass seine Partnerin mit ihrem Liebhaber durchgebrannt ist.

 

Der Mini

Heute war ein heisser Tag. Allerdings kein heisser Morgen, also war ich nicht dem Wetter gerecht angezogen. Den ganzen Morgen lang schwitzte ich, was das Zeug hielt, deshalb entschloss ich mich, über den Mittag schnell etwas Passenderes einzukaufen. Ich betrat ein Geschäft und kaufte zwei Teile, die ich okay fand. Ein rotes, enganliegendes Stricktop und einen Minijupe, so mit Falten und aus Karostoff, ein bisschen wie ein Schottenrock oder eine zu kurz geratene Schuluniform. Ich liess mir von der Frau an der Kasse die Preisschilder abschneiden und streifte mein neues Outfit über. Es war herrlich! Bei jedem Schritt strich die Luft über meine Beine und kühlte sogar meinen Allerwertesten. Welch ein Unterschied zur Hose, die verschwitzt an meinen Oberschenkeln geklebt hatte! Frohen Mutes verliess ich den Laden und machte mich auf den Weg für meinen nächsten Termin. Beim nächsten Schaufenster blieb mein Blick in meinem Spiegelbild hängen. Was ich da sah, das war nicht ich! Das war keine erwachsene Frau, die mich da staunend anglotzte, sondern eine freche, aufreizende Göre! Fasziniert schaute ich mich genauer an: Das soll ich sein? Dieses Luder? Ha! Mit meinem besten Model-Gang schritt ich weiter. Ja, schaut nur, ihr Männer!, dachte ich mir. Und das machten sie auch. Einige schielten interessiert aus den Augenwinkeln in meine Richtung, ein ganz kecker pfiff mir nach und andere warfen einfach einen wachen Blick in meine Richtung. Die Frauen in meinem Alter hingegen taxierten mich kurz und verwarfen dann verächtlich den Kopf. So eine Schlampe! Dies liess mich dann doch ein wenig stutzen. Sollte meine Wahl tatsächlich nicht ganz passend sein? Inzwischen war ich mir wirklich nicht mehr ganz sicher, ob die Kette an der Seite des Minis tatsächlich so cool war, wie ich gemeint hatte. Es blieb mir aber nichts anderes übrig, als weiter Richtung Bahnhof zu gehen, denn sonst hätte ich meinen Zug verpasst. Als ich zum Gleis kam, fuhr der Zug pünktlich ein. Die Türen öffneten sich und die Fahrgäste stiegen aus. Ich stellte mich als hinterste in die Einsteigeschlange, damit ich als letzte das Treppchen rauf konnte - doch ein Mann mittleren Alters wollte mir unbedingt den Vortritt lassen. Weshalb - sonnenklar - er erhoffte, einen Blick unter mein Jüpli zu erhaschen. Nun gut. Die Tasche an den Po gepresst stieg ich in den Wagen. Ich nahm Platz, was mein männliches Gegenüber mit einem breiten Lächeln quittierte. Es stand deutlich in seinem Gesicht geschrieben, was er gedachte, mit so einem Jüpli zu tun. Es würde jedenfalls nicht lange an seinem Platz bleiben. Er wurde rot im Gesicht, schlug unbehaglich die Beine übereinander und legte sich unauffällig die Zeitung in den Schoss. Betretenes aus dem Fenster starren. Gott sei Dank wurde ich aus dieser unangenehmen Situation erlöst! Eine Dame erhob sich nämlich von ihrem Platz und schrie uns alle laut an. "Gottverdammte Huren-Idioten-Psychiatrie! Gottverdammte Huren-Idioten-Psychiatrie!" Der Blick des Mannes vis-à-vis von mir wurde magisch von ihr angezogen. Die Frau wiederholte ihr Statement in gleichbleibender Lautstärke bis zu meiner Haltestelle, noch verstärkt durch heftiges Schnaufen. Als ich beim Aussteigen an ihr vorbei ging, überlegte ich mir, ob ich ihr dafür danken sollte. Ich liess es dann aber bleiben.

In Zukunft werde ich den Mini nur noch anziehen, wenn ich mit einem Mann unterwegs bin. Was gibt es Schöneres, als das stolze Glänzen in den Äuglein des wissenden Gegenübers, dass zwar alle gierig schmachten dürfen, er aber derjenige ist, der mir am Schluss des Abends den Fetzen vom Leib reissen darf.

 

 

 

 

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