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Das Leben der Rosa R.
Vorwort
Rosa R. ist eigentlich ein ganz liebes, braves
und angepasstes Mädchen. Nur sie selbst weiss, welche Vulkane in ihrem
Innern brodeln! (Ha! Wie pathetisch! Ein guter Anfang, oder?!)
Männerstatistik
Statistiken sind doch etwas tolles: Sie scheinen so anschaulich und klar über ein Thema zu informieren, das vielleicht in Wirklichkeit gar nicht so einfach und klar und präzise ist. Zum Beispiel die Statistik, mit der Pantene beweisen will, dass es das vertrauenswürdigste Shampoo der Schweiz ist. Hundert Frauen wird ein gratis Shampoo angeboten, wenn man anschliessend eine kleine Auswertung vornimmt. Und man kann dabei sogar noch mehr Produkte gewinnen. Nun sage mir, wer würde da nicht nur super positive Sachen ankreuzen, im Hinterkopf die zu gewinnenden Produkte? Oder Zigarettenmarken: 73% aller Personen, die am Wettbewerb im Pub teilgenommen haben, rauchen laut ihrer Aussage Lucky Strike. Klar, bestimmt, weil Lucky Strike
die Stammmarke all dieser Leute ist. Die gratis Zippos haben damit
höchstens ganz weit entfernt etwas zu tun. Ich jedenfalls steh da schon
mehr auf Statistiken, die ich verstehe und auch die Tricks dahinter
kenne. Wenn ich weiss, auf welche Weise sie frisiert worden sind.
Deshalb mache ich meine wichtigste Statistik selbst. Man nehme:
Verschiedene willige Männer. (Gutes Aussehen ist Geschmackssache,
deshalb schreibe ich nicht darüber.) Man mache sie etwas an, schmiere
ihnen etwas Honig um den Mund, betone ihr gutes Aussehen, und schon
hast du sie im Sack. (am Sack?) Sie sind sehr bereitwillige
Versuchskaninchen, wenn man sie nur in den richtigen Versuch einbindet.
Am besten aber weiht man sie gar nicht erst in die (für sie) schwierig
verständlichen Hintergründe des Tests ein, sondern lässt sie im guten
Glauben, sie seien die Auserwählten. Jetzt ist der Test an der Reihe:
Schamlos amüsierst du dich mit ihnen, machst alles, was dir Spass macht
(ganz wichtig!), und dann, wenn dir die Lust vergangen ist, kannst du
auswerten. Wie viele Punkte macht er bei Schwanz? Wie viele erreicht er
bei Auto? Zärtlichkeit? Treue? Und dann lässt du sie tanzen. Sie haben dich versetzt? Minus 8 Punkte. Sie haben dich nicht zu einem Drink eingeladen? Minus 6 Punkte. Sie haben eine neue Freundin? Das ergibt ein Minus-Total in der Schlussabrechnung! Und wie herrlich ist doch diese Auswertung, wenn man sie sich vor Augen hält, während man ihnen per Zufall wieder einmal gegenüber sitzt... Und sie meinen immer noch, sie hätten dich angemacht und du seist unbeholfen in ihre
clevere Falle gestolpert. Irren ist männlich...
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Regen
Heute war wieder einmal so ein Tag. Ich bin
nach draussen gegangen, um meine Einkäufe zu tätigen. So etwa wie
Carrie in Sex and the City. Durch die Stadt geschlendert, da und dort
etwas angeguckt und vornehm getan. Irgendwann wurde mir das langweilig,
und ich besann mich, weshalb ich wirklich raus gegangen war. Natürlich
um Lebensmittel einzukaufen. Sehr banal halt, gar nicht wie Carrie aus
Sex and the City... Jedenfalls liess ich mir schnell ein gutes
Nachtmahl einfallen (Gefüllte Zucchetti mit Polenta, mmh!) und ging
schnurstracks in die Migros, die ich kurz darauf als stolze Besitzerin
der zum Mahl nötigen Lebensmittel (sowie einem Pack Pommes Chips -
Pfui!) wieder verliess. Da wollte mir das Wetter aber gar böse: Es
regnete in Strömen! Der Mann neben mir teilte mir mit, das könne nicht
allzu lange dauern. Nun gut. Ungeduldig wartete ich, belauschte die
Kinder neben mir (Mammi, Mammi, können wir nicht schon jetzt ein
bisschen Poulet essen?) und beobachtete einen betagten Herrn dabei, wie
er immer wieder, ohne Erfolg versuchte, ein zu grosses Couvert in den
Briefkasten einzuwerfen. Jedenfalls wurde mir das Ganze irgendwann zu
blöd. Ich mag nämlich nicht warten. Ich zog meine Lederjacke aus (die
ist zu schade für den Regen), packte sie in die Tasche mit den
Lebensmitteln und machte mich auf den Weg. Die Familie neben mir warf
mir, Poulet essend, einen Blick zu. Der Regen war anfänglich gar kein
Problem. Nur begann es immer stärker zu Tropfen! Klitschnass hatte ich
endlich das Café im Blickfeld, das in unserem Haus in der untersten
Etage liegt. Mit letzten Kraftreserven rannte ich - links und rechts
eine Einkaufstasche - vor einem Auto über die Strasse, damit dann genau
vor dem Café eine der Papiertaschen den Geist aufgab und sich ihr
gesamter Inhalt vor den Kaffeeschlürfern und Colatrinkern ergoss. Dies
war aber noch nicht genug! Durch den Regen aufgeweicht, riss der
Polentasack auf und der gelbe feinkörnige Mais rann, langsam
verklumpend, über meine heiss geliebte Lederjacke. Wie mühselig ich
anschliessend den kaputten Sack Polenta und die übrigen Lebensmittel in
die Wohnung transportierte, darüber mag ich gar nicht schreiben. Aber
der Mann, der vor mir rannte und mir trotzdem nicht behilflich war, der
kann noch was erleben!
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Alles Gute kommt von oben
Mir hat tatsächlich ein Vogel auf die Stirne
geschissen. Wo gibts denn so was? Ich kann mich nur noch wundern. Ich
habe bisher immer geglaubt, solche Situationen gibts nur in Filmen.
Welcher reale Vogel hat schon die Präzision, genau auf jemanden zu
treffen? Vogelscheisse in der Augenbraue fühlt sich schrecklich an, und
sie hat so eine Ausdünstung, die spürst du bis ins Auge, es beginnt ein
bisschen zu tränen. Ziemlich ätzig. Die Konsistenz eines Vogelkots
verläuft von flüssig bis leicht körnig. Dies stellte ich unmittelbar
nach dem Vorfall fest, denn natürlich bildete ich mir zuerst ein, es
sei ein Regentropfen, und wollte ihn wegwischen. Tja. Pech gehabt! Ein
kleiner Trost für mich: Unter den Blinden ist der Einäugige König! Da
hab ich also trotzdem noch ein wenig Hoffnung...
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Alles Gute kommt von oben 2
Tatsächlich, auch heute schien mir der Himmel
wohlgesinnt. Allerdings, wie das Sprichwort schon sagt, kann es auch
einmal des Guten zu viel sein... Nach einem herrlichen Tag an der Expo
in Biel wollten wir ein wenig am Seeufer relaxen. Wir ruhten uns
gemächlich aus auf dem schmalen, langen Steg. Zuerst präsentierten sich
uns eine Schar Synchronschwimmerinnen. Hut ab, die tauchten und
planschten in Wasser, in dem wir kurz zuvor einen toten, aufgedunsenen
Raben erblickt hatten. Dann versuchten junge, starke und gut gebaute
Gecken mit ihren Wakeboard-Künsten unsere Aufmerksamkeit zu erlangen.
(Was ihnen natürlich auch gelang...) Als krönenden Abschluss sollten
drei verschiedene Gleitschirmakrobaten auf dem Steg landen. Das war
sehr spannend, denn wir sonnten uns ja auf diesem Steg auf unserem
Badetuch und konnten somit alles bequem und aus nächster Nähe
beobachten. Der Erste landete, tipptopp, ohne Probleme. Grosser Applaus
von unserer Seite. Der Zweite, schon etwas wagemutiger, hatte noch
seinen Kumpel mit unter den Schirm gepackt, und im Tandem landeten auch
sie perfekt abgestimmt auf dem (wirklich sehr) schmalen Steg. Der
Dritte, seines Zeichens Europameister im Gleitschirmfliegen, wurde dann
aber übermütig. Er hatte seine Freundin im Sack vor sich hängen, und
holte mit einer grossen Kurve Schwung, um bravourös zu landen. Meine
Freundin bemerkte bereits beim Anflug des Europameisters nervös, die
Landung könnte etwas knapp bemessen sein, im dümmsten Fall könnte er
uns direkt ins Wasser werfen. Einen Sekundenbruchteil später setzte der
Gleitschirm-Könner auf, genau auf uns zu. Wir konnten uns blitzschnell
ausser Gefahr rollen, für die Gleitschirmakrobaten aber nichts mehr
tun. Nachdem es die beiden noch etwa zwei Meter über unser Badetuch,
unsere Taschen und den rauen Beton des Stegs geschleift hatte, landete
die im Sack höckelnde Dame im Wasser und der dafür verantwortliche Mann
mit dem Gesicht auf dem Steg. Autsch! Anstelle dass sich irgend jemand
bei uns entschuldigt hätte für den unangebrachten Angriff, wurden wir
sofort vom Steg gejagt. Ich finde das eine Frechheit, immerhin wären
die zwei ohne unsere Badetücher bestimmt weniger sanft gelandet. Und:
wer detoniert schon gerne auf einem Betonsteg? Undank ist der Welten
Lohn! (Ich habs ja schon immer gesagt!)
Noch nichts
Ja, so ist das, wenn einem nichts mehr in den
Sinn kommt. Dann schreibt man nämlich über nichts. Aber auch das ist
besser als gar nichts, oder? Ich fühle mich jedenfalls schon viel
besser jetzt. Schön, dass du auch daran teil genommen hast...
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Mein erstes Gedicht
Schon früher, als ich noch klein
war, habe ich mich intensiv mit der Sprache auseinander gesetzt. Damals
allerdings konnte ich meine Gefühle und Gedanken am besten in
Poesie-Form festhalten. Davon möchte ich dich, ach du mein
liebster Leser, gern überzeugen:
Weine nicht um den toten Hund, freue dich
an dem lebendigen!
(Rosa R. im unschuldig Tier liebenden Alter von
12 Jahren.)
Die Sonne scheint hinter den Wolken, auch
wenn du das Gegenteil behauptest.
(Rosa R. mitten in der pubertären Auflehnung
gegen die Ansichten ihrer Eltern mit 14 Jahren.)
Seid nicht traurig, denn mit dem Tod
beginnt die Ewigkeit.
(Rosa R. mit 16 Lenzen. Zu viel Deep Purple gehört.)
Einfach leben. Herum wirbeln wie ein Blatt
im Wind. Sich treiben lassen. Die Arme heben und davon fliegen.
Geniessen. Auskosten. Leben.
(Immer noch im elterlichen sorglosen Nest, ohne Kenntnis von der bösen
Welt da draussen.)
Das Leben ist eine nie endende Symphonie,
zu der ständig Neues hinzu komponiert wird.
(In dem - den Erwachsenwerdenden eigenen - Bewusstsein, alles vom Leben
zu kennen und zu verstehen.17 Jahre)
Aber was,
wenn ich
es einfach nicht ertrage?
überlastet bin?
mich einsam fühle?
nicht mehr weiter weiss?
nicht mehr kann?
Bist du dann da?
(Mein Freund hatte auch noch andere Hobbys, als mir den Hof zu
machen...)
Die Tragik des Lebens beruht auf dem Sinn.
(Immer noch 17. Das Auf und Ab der Hormone macht Rosa wirklich zu
schaffen...)
Kein Winter ist so kalt, dass man nicht die
Wärme eines Freundes verspüren kann.
(Meinem Freund wurde alles irgendwann zu bunt. Er verliess mich.)
Ist es nicht so, dass alles Erreichte
nichts mehr bedeutet?
(hm... macht sogar jetzt noch nachdenklich. Ich hoffe immer noch, dass
es nicht stimmt!)
Warum jemandem etwas vorspielen? Es gibt
nur eine mögliche Form der Verwirklichung: Sich selbst darstellen.
(Erste unbefriedigende sexuelle Erfahrungen.)
Wer weiss, wie lange so ein Zündholz
brennt?
- Aber wenn es entzündet ist, leuchtet seine helle Flamme, als ob sie
unvergänglich wäre.
Carpe diem.
(Rosa R. verstand jetzt endlich, was das Wort "Lebensabschnittpartner"
bedeutet.)
Verachtung geschieht leise, langsam und
subtil. Der Puls ist immer noch derselbe.
(Hilfe! Mein Ex-Freund hasst mich!!!)
Herbst
oder: Das rastlose Gefühl, jetzt dringend jemanden zu brauchen, mit dem
man den Winter verbringen kann.
oder: Wenn auch eine Badewanne pro Tag nicht mehr genug Wärme spendet.
(Die Frau-Werdung geht einher mit einem starken Bindungsdrang. 18
Jahre.)
Winter
Eiskalter Todeshauch
(Ich muss korrigieren: "... geht einher mit einem immer stärker
werdenden Bindungsdrang"...)
Schön, oder?!
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Was ich in meinem Leben
nie mehr tue
Gestern sass ich in einem Restaurant, mit mir
am Tisch fünf Männer. Wir unterhielten uns darüber, ob es im Leben
etwas gibt, dass man nie mehr tun würde. Natürlich, schon James Dean
hat heraus gefunden, dass man niemals nie sagen sollte. Ich wurde
trotzdem fündig, im Gegensatz zu meinen Gesprächspartnern. Die finden
alle Erlebnisse in ihrem Leben so gut, dass sie alles wieder machen
würden. Na toll. So selbstzufrieden können doch nur Männer sein, oder?!
Hier meine Liste von Dingen, die ich nie mehr machen möchte:
1.) Im Restaurant reklamieren, bevor der Hauptgang aufgetragen wurde
2.) Mit Flexfüssen und gespreizten Armen vom 10 Meter Turm springen.
3.) Meiner Schwester erzählen, dass mein Freund im Bett unschlagbar
ist.
4.) Meine Schamhaare mit Kaltwachs entfernen.
5.) Nach fünf Tequilas Auto fahren.
6.) Einen Taliban am Bart zupfen.
7.) Puch Maxi fahren.
8.) Mit dem Freund in die Ferien fahren, wenn eh schon Krisenzeiten
herrschen.
9.) Ausprobieren, einen Molotov-Cocktail zu basteln.
10.) Eifersüchtig sein
11.) Mit vier kleinen Kindern gleichzeitig einkaufen gehen.
12.) Einem Mann erklären, dass auf Pferden reiten und Sex nichts
miteinander zu tun haben.
13.) In Japan ein Essen bestellen, ohne zu verstehen, was es ist.
14.) Allein in einem Kaff wohnen.
15.) Einen notorischen Lügner als Partner haben.
16.) An Silvester mit Leuten, die ich nicht ausstehen kann, in eine
abgelegene, verschneite Hütte fahren.
17.) Mit einem alten, schleimigen Sack allein Auto fahren.
18.) Aus Wut mit voller Wucht gegen eine Mauer treten.
19.) Die Plattenspieler meines Freundes aus dem Fenster werfen.
20.) Den Jahrtausendwechsel feiern.
Und mit diesem letzten Punkt hätte ich dann
auch die selbstgefälligen Herren geschlagen.
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Autos
Gestern habe ich etwas Seltsames gesehen. Ein
Auto mit einem
Schnorchel fuhr an mir vorbei. Neben der linken Scheibe,
entlang der Türkante bis hinauf zu Dach hatte dieses Geländefahrzeug
einen Schnorchel. Das erscheint mir jetzt doch etwas übertrieben, oder?
Ich verstehe ja, dass die Überschwemmungen in letzter Zeit beunruhigend
auf die Menschen gewirkt haben, aber dennoch ist das noch kein
ausreichender Grund, paranoid zu werden. Der Fahrer hatte bestimmt das
Gefühl, er könne dann mit seinem Amphibienfahrzeug den Helden spielen,
falls es bei uns in Zukunft einmal zu solchen tragischen Zuständen
kommen sollte. Oder vielleicht denkt er, er könne auf diese Weise in
Krisensituationen Leben retten. Ich finds trotzdem scheisse.
Ich sass auch spät am Abend immer noch
draussen und liess mir die Geschichte mit dem Schnorchel durch den Kopf
gehen. Da fuhr ein anderes Auto an mir vorbei, das meine Aufmerksamkeit
erregte. Da hat doch tatsächlich ein Mann in seinen Felgen Lichtlein
befestigt. Und wenn er fährt, leuchten seine Felgen abwechselnd rot,
grün und blau auf. Meine Güte! Ein erneutes Zeichen, dass die
Menschheit degeneriert...
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Ein Gedanke
Ist Business gleich Pussyness??
Brüller des Abends
Heute ist mir was Hammer-mässiges passiert:
Ich war im Ausgang, und da hat sich meine Tischnachbarin darüber
beklagt, dass die Leute in den Lokalen immer jünger werden. Das töne
jetzt vielleicht ein bisschen eingebildet, aber es störe sie, wenn sich
in den Lokalen so unreifes Gemüse rumtreibe. Ich verhalte mich in der
Regel eher ruhig bei diesem Thema. Aus unerfindlichen Gründen bin ich
nämlich meistens die Jüngstgeborene im Kreis. Heute jedoch schien es
mir angebracht, das Alter meines Gegenübers zu erfragen. So alt sieht
die doch gar nicht aus?! Ich konnte mich noch den ganzen Abend glänzend
darüber amüsieren: Eine 15-jährige findet, dass die Leute in den
Lokalen zu jung sind!! Wieher! Mutti findet das bestimmt auch...
Praying Mantis
Sicher interessiert es dich schon lange, was
genau Praying Mantis bedeutet, oder? Ich habe mir jetzt eine gekauft,
aus Gummi. Sie liegt auf meinem Computer und bedroht alle männlichen
Wesen, die meine Wohnung betreten und (vor allem) verlassen. Ja, jetzt
solltest du mal dein Englischwörterbuch hervor nehmen und nachschauen,
was Praying Mantis bedeutet... Mjam, mjam...
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Warum sind Männer doch liebenswert?
Diese Frage kann man sich wirklich stellen.
Allerdings nicht mehr jetzt und nicht mehr heute. Jetzt gehe ich
nämlich ins Bett. Aber ich werde mich bald möglichst mit dieser
äusserst schwierigen Frage auseinander setzen. Bis ich wieder schreibe,
werde ich praktische Erfahrungen in Sachen Männer sammeln. Vielleicht
finde ich ja wider Erwarten doch etwas ?? (Anmerkung der Verfasserin:
Leider lassen die Ergebnisse der Nachforschungen immer noch auf sich
warten...)
Wurst
Bei uns im Geschäft ist das so: Viele Leute
essen über den Mittag im Pausenräumchen. Vorher gehen wir meistens noch
einkaufen, manchmal bringen wir aber auch selbst etwas mit. Soweit so
gut. Wenn ich zum Beispiel Äpfel kaufe, dann kaufe ich nicht nur einen
für mich, sondern ich entscheide mich (sozial) für einen grossen Sack
Äpfel, damit die anderen Esser auch etwas davon haben. Und die wiederum
machen das genauso. Gestern Mittag jedenfalls sind wir ins
Pausenräumchen eingetreten und haben freudig entdeckt, dass uns eine
gute Seele zwei schöne Platten mit Aufschnitt und Schinken bereit
gestellt hat. Wir haben noch Brot eingekauft und uns dann freudig an
diesem herrlichen Mahl gütlich getan. Der Aufschnitt war nicht
besonders gut, aber einem geschenkten Gaul schaut man ja bekanntlich
nicht ins Maul. Die Freude schlug aber bald in Ärger um, als eine
erschienene Kollegin sich über unseren Appetit nur wundern konnte:
"Was?! Ihr esst diesen abgelaufenen Müll noch?!" Es stellte sich
heraus, dass ein (von nun an nicht mehr sehr beliebter) Kamerad im
Kühlschrank seine seit zwei Monaten abgelaufene Wurst entdeckt hatte,
sie aber nicht mehr essen mochte und sie (vermutlich noch auf den
Stockzähnen lachend) uns aufgestellt hatte. Seither leide ich unter
akuter Diarrhöe.
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Mein Atem riecht nach Kompost
Aber das ist noch nicht lange so. Das ganze
Desaster begann ohne Vorwarnung: Ich war sehr konzentriert auf meinen
Fernseher. Irgend etwas interessantes hat sich dort abgespielt. Leider
weiss ich nicht mehr was, da ich kurz darauf völlig den Kopf verloren
habe. Ich wollte mir, gespannt auf den Bildschirm glotzend, aus der
vorweihnachtlichen Frucht- und Süssigkeitenschale ein Schokoherzchen
nehmen. Ich wühlte kurz, packte das Ding und riss ungeduldig die Folie
weg. Mmh, die Migros Schokoherzchen sind doch die besten... Ein
vermeintlicher Rest der Schokolade blieb an meinem Handballen kleben.
Ahnungslos leckte ich diesen weg und konzentrierte mich wieder auf den
Film. Erst etwa fünf Sekunden später realisierte ich, dass das etwas an
meiner Handfläche überhaupt nicht nach Schokolade geschmeckt hatte.
Irritiert kontrollierte ich noch einmal die Abschleckstelle. Mich
grauste: Was ich da über meine Schleimhaut aufgenommen hatte, war
mitnichten Schokolade! Ich hatte beim Graben eine Clementine gestreift,
die über und über mit grün-grauem Schimmel bedeckt war (so viel zur
Beliebtheit von Früchten gegenüber von Schokolade...), und hatte diesen
anschliessend aufgeschleckt! Was sollte ich bloss tun? Unverzüglich
griff ich zur Kirschflasche aus der Bar, nahm einen kräftigen Schluck
und spülte damit meinen Mund. (Nebenbei: Anschliessend genehmigte ich
mir noch ein Gläschen Martini Bianco. Kann ja auch nicht schaden...)
Trotzdem musste ich heute die ganze Zeit
gorpsen. Und alle wundern sich, woher dieser Verwesungsgeruch kommt...
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Ängste
Viele Menschen werden von Ängsten geplagt. Und
deshalb ist dieses Thema grundsätzlich nicht besonders lustig.
Als ich aber eine Liste mit den verschiedenen Phobien las, bin ich fast
zusammen gebrochen:
|
Aeronausiphobie |
Angst, durch Luftkrankheit sich übergeben zu
müssen |
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Aichmophobie |
Angst vor Punkten |
|
Alliumphobie |
Angst vor Knoblauch (haben wir doch alle
irgendwie...) |
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Allodoxaphobie |
Angst vor einer Meinung (kommt mir so bekannt
vor... Haben sehr viele Leute) |
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Amathophobie |
Angst vor Staub (Ein Amathophobiker würde in
meiner Wohnung nicht überleben...) |
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Amychophobie |
Angst, sich zu kratzen (so hart!) |
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Angrophobie |
Angst, wütend zu werden (hab ich manchmal
auch) |
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Anophelophobie |
Angst, die Frau beim Sex zu verletzen (Anophelophobiker
sind die zärtlichsten Liebhaber!) |
|
Anthrophobie |
Angst vor Blumen (Ich glaube, die meisten
Männer leiden darunter...) |
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Arachibutryrophobie |
Angst, dass die Erdnussbutter am Gaumen
kleben bleibt (meine Güte, die Leute haben aber auch Probleme!) |
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Ataxophobie |
Angst vor Unordnung (ja, genau: Auch die
Ataxophobiker hätten panische Zustände bei mir zuhause.) |
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Aulophobie |
Angst vor Flöten (Brüll!) |
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Autophobie |
Angst vor sich selbst (ich bin mein grösster
Feind!) |
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Babushkaphobie |
Angst von Frauen gegenüber ihrer Grossmutter |
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Bargainophobie |
Angst vor Ausverkäufen (Davon sind in der
Regel Männer betroffen, dünkt mich.) |
|
Caligynephobie |
Angst vor schönen Frauen (Ach, deshalb sind
manche Männer so abweisend zu mir - jetzt wird mir vieles klar...) |
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Carnophobie |
Angst vor Fleisch (in der Badi?) |
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Catoptrophobie |
Angst vor Spiegeln |
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Chaetophobie |
Angst vor Haaren (Sehr hart, ausser man
leidet gleichzeitig noch an Catoprophobie, dann merkt man
vielleicht gar nicht, dass man welche hat.) |
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Chrometophobie |
Angst vor Geld (haben Frauen grundsätzlich
nicht.) |
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Clinophobie |
Angst, ins Bett zu gehen (haben vorwiegend
Männer. Vor allem am Wochenende...) |
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Dentophobie |
Angst vor Zahnärzten (na ja, das haben wir
doch alle ein wenig, gell...) |
|
Emetophobie |
Angst, sich übergeben zu müssen (habe ich
immer, wenn ich zu viel getrunken habe) |
|
Friggaphobie |
Angst vor Freitagen (kenn ich aber niemanden,
der das hätte...) |
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Hedonophobie |
Angst, Freude zu empfinden (autsch!) |
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Kathisophobie |
Angst, sich hinzusetzen (das ist aber
anstrengend) |
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Lachanophobie |
Angst vor Gemüse (wirklich zum lachen!) |
|
Medecophobie |
Angst, man sähe seine Erektion an einer
Ausbeulung seiner Hose (prust!) |
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Neopharmaphobie |
Angst vor neuen Drogen (oh je...) |
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Panphobie |
Angst vor Allem |
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Peladophobie |
Angst vor Kahlköpfigen |
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Plutophobie |
Angst vor Reichtum (ich hab auch so Angst,
bühü...) |
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Rhypophobie |
Angst vor dem Stuhlgang |
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Santaclausophobie |
Angst vor dem Weihnachtsmann, vor Weihnachten
(da haben Mammi und Papi aber etwas falsch verstanden) |
|
Sesquipedalophobie |
Angst vor langen Wörtern (bei der Therapie ist die Konfrontation mit dem Namen der Krankheit sehr
wichtig und trägt zur Genesung bei.) |
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Poster
Heute, weil es draussen so eisig kalt war,
surfte ich zum Ausgleich ein wenig im Netz und fand diese Homepage:
Christliche
Mystik - Christliche Liebe
Ich bin immer noch mit der Interpretation des
Zusammenhangs zwischen Text und Bildern beschäftigt. Was möchte uns der
Autor mitteilen? Ich finde die Bilder (oder ihre Inhalte) nicht
unschön, nein. Aber irgendwie erinnern mich die Fotos doch sehr stark
an meine Teenagerzeit, als wir in der Schule alle zusammen Poster
bestellt haben, damit sie für jeden 50 Rp. günstiger wurden. Solche
schwarz-weiss-Poster waren neben Airbrush-All-Landschaften der absolute
Renner. Nur: Wo sind hier die Frauen?
Oh je
Jetzt plötzlich weiss ich auf einmal wieder,
warum meine Site so heisst, wie sie heisst... Lange, lange habe ich es
vergessen, mein Geist hat nicht mehr gewusst, warum "Life strange" und
"world bad" sein soll. Aber leider scheint dieser Spruch prädestiniert
zu sein, immer wieder in meinem Leben aufzutauchen. Vielleicht bin ich
aber auch die Prinzessin auf der Erbse, die immer irgendwo etwas
auszusetzen hat und die mit nichts zufrieden ist. Andererseits muss ich
mich schon fragen, ob es tatsächlich der Sinn des Lebens sein soll,
sich mit Halbheiten zufrieden zu geben. Kann denn verflucht noch mal
dieses Scheissleben nicht einfach so sein wie ich es mir wünsche? Kann
nicht einmal, nur dieses Mal einfach alles perfekt sein? Bisher fast
immer seit ich denken kann, konnte ich alles nur unter Vorbehalten
geniessen. Ist das einfach die Realität, oder ist das nur dann so, wenn
man nicht genügend Ausdauer hat, zu suchen bis man das Perfekte
gefunden hat? Wenn ich das bloss wüsste... Und: gibt es das überhaupt,
dieses Leben meiner Vorstellung, oder ist das nichts als Illusion? Was
gäbe ich doch darum, es zu wissen. Endlich zu wissen, ob sich
Konsequenz und Ehrlichkeit überhaupt lohnen. Was soll ich denn
konsequent sein, wenn ich trotzdem immer vom Regen in die Traufe
gelange und am Schluss unzufrieden bin? Heilige Scheisse, trotz meiner
jungen Jahre fühle ich mich manchmal einfach so unglaublich müde. Muss
das wirklich sein? Ich würde es so gern wissen...
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Fanpost
Letzte Woche ist mir etwas sehr Schönes
passiert: Ich habe von einer unbekannten jungen Dame Fanpost erhalten.
Begeistert las ich die Komplimente, labte mich daran wie an Honig. Die
Lobpreisungen rannen mir die Kehle hinunter wie ein köstliches,
unendlich wertvolles Lebenselixier. Wow!
Um einiges schlechter eingefahren ist mir anschliessend der Virus, den
ich mir mit dem Mail herunter geladen hatte. Ich habe ihn natürlich
nicht sofort entdeckt, und der Scheisswurm sandte sich unbemerkt an
verschiedenste Adressen, als Absender meine Email-Adresse. Sehr nett,
danke! Besonders freuen tu ich mich über die Sex-Links, die ich seither
immer bekomme, und über die mit dem Virus infizierten Mails, die zurück
kommen, weil die angegebenen Adressen nicht existieren. Blöder
Computer. Jetzt habe ich mir ein neues Virenprogramm gekauft, ein
gutes, nicht mehr eines aus dem Internet. Seither kollabiert der Compi
jedes Mal fast, wenn ich meine Mails holen will: Virus hier, Virus
da... Ich glaube, ich werde selber krank.
Ein Abend in der Bar
Arme Menschen, deren einziger Lebensinhalt
sich in einer Flasche kaufen lässt...
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Das Thermalbad
Ich liebe das Baden. Vor allem in der kalten
Winterzeit, wenn draussen die Luft unter null Grad ist. Dann suhle ich
mich genüsslich im warmen, dampfenden Thermalwasser, plansche und
flitze wie ein kleiner Delphin durch das klare Wasser. So war das auch
gestern: Ich habe mich sehr auf den Badbesuch gefreut. Diesmal sollte
es ein Solbad sein. Nun gut. Solbäder haben auf Hautkrankheiten eine
lindernde und heilsame Wirkung, habe ich schon im Prospekt gelesen.
Trotzdem war ich nicht ganz auf die Badegäste vorbereitet, die mich
erwarteten. Die meisten Besucher waren nicht, wie sonst fast immer,
junge, verliebte Pärchen. Sondern es waren viele betagte und kranke
Menschen dort. Ich konnte einige Pilz- und Schuppenflechtenträger
identifizieren, auch einige Schorf-ähnliche Erkrankungen fielen mir ins
Auge. Und das war nur das Sichtbare! Einige Schwimmerinnen wurden mit
dem Rollstuhl zum Bassin gefahren, um sich dann mit Hilfe ins Wasser
gleiten zu lassen. Andere kamen mit den Krücken an den Bassinrand und
flutschten dann vorsichtig ins Nasse. Ich gebe zu: Mir grauste ein
wenig. Obwohl das Alter ganz bestimmt nichts ist, wovor man sich
grausen sollte. Dennoch überlegte ich mir, wie sich diese Leute, die
sich kaum mehr bewegen können, nach dem Stuhlgang zu reinigen pflegen.
Ich sah sie, wie sie sich wohlig auf den Sprudelbänken räkelten und
bekam eine Hühnerhaut. Einmal Urin und Kot gut durch gequirlt, bitte...
Ich verliess fluchtartig das Warmwasserbecken. Ich stellte mir vor,
dass es im Hamam nicht so unhygienisch sei und entschied mich für eine
warme Dampfsauna. Die Bänke waren aus Stein, sehr angenehm, sehr warm.
Sie waren mit einem lauen Wasserfilm überflutet. Ich lehnte mich
beruhigt nach hinten, entspannte mich wieder und begann ein wenig von
wärmeren Gegenden zu träumen. Jäh wurde ich aber aus meinem Tagtraum
gerissen: Ein schreckliches Schmatzen ertönte, und gleich darauf
nochmals dasselbe. Es waren zwei Personen aufgestanden. Man stelle sich
vor: Die Menschen sitzen ab, und das Wasser unter ihrem Hintern
verteilt sich gleichmässig an den möglichen Stellen. Die Bakterien und
Pilzsporen jauchzen vor Freude: ein neues Opfer, und es bringt erst
noch neue kleine Freunde mit! Juhu! Ich glaube, dass beim Aufstehen ein
Schmatzen ertönt, weil die winzigen Tierchen vor lauter Freude über den
Gast (und zukünftigen Gastwirt...) demselbigen einen dicken
Abschiedskuss geben!
Wie dem auch immer sei: Ich werde nicht so
bald wieder ein Thermalbad besuchen. Irgendwie gelüstet es mich nicht
mehr... Aber lasst euch von meiner Erfahrung nicht abschrecken, geht
trotzdem! Denkt einfach an mich, wenn ihr aufsteht und den schmatzenden
Abschiedskuss hört...
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Langeweile vs. Ruhe
Im Moment kann ich nicht viel berichten. Das
mag daran liegen, dass ich nicht allzu viel unternehme ausser zu
arbeiten, ab und zu ins Kino zu gehen, zu essen und zu schlafen. Ich
frage mich selbst: Bin ich langweilig? Eben erst habe ich ein Interview
mit Liv Tylor gelesen. Sie hat sich bei der Reporterin entschuldigt,
dass sie so langweilig wäre. Das hat mich stutzig gemacht: Ist man der
Gesellschaft gegenüber verpflichtet, nicht langweilig zu sein?
Einerseits leuchtet mir das durchaus ein: Man konsumiert weniger,
unterstützt/bereitet keine Trends et cetera, wenn man zuhause bleibt.
Andererseits könnte es aber auch ein neuer (alter) Trend sein, im
trauten Heim zu bleiben und Freunde zu einer netten Feier einzuladen.
Nur: Die Freunde haben jedes Mal den unglaublich grossen Drang, mitten
im gemütlichen, ruhigen Abend hektisch aufzubrechen, damit sie auf
keinen Fall die Wahnsinns-Party verpassen, die letzte Woche schon nicht
statt gefunden hat. Ich entscheide mich, wohl eher untrendy, für die
Ruhe. Ja, ich nenne das Ruhe, nicht Langeweile. Ich glaube, ich bleibe
gescheiter, wenn ich ab und zu einen Abend zuhause verbringe und ein
gutes Buch lese, als wenn ich mich draussen mit Smalltalk über die
Runden bringe. (Ich hoffe bloss nicht, dass dies bedeutet, dass man auf
meiner Homepage von jetzt an nur noch bedeutungsschwangere Inhalte
lesen kann. Das würde mich von mir selbst sehr enttäuschen... Bin ja
nicht Peter Bichsel...) Auf die Ruhe in unserem Leben!
Und nur noch kurz nebenbei: Es gibt da ja auch
einen Film: A life less ordinary. Der ist blöd! Das untermauert meine
Meinung zusätzlich! Ha!
Der Mann im Restaurant
Gestern war ich essen. Es hat gut geschmeckt.
Wenn da nur nicht der Mann am Tisch neben mir gewesen wäre, der in den
Teller erbrochen hat.
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Asiatisches
Vorausschicken möchte ich, dass ich
Schweizerin bin. Ich glaube, die Kelten sind die ersten Ausländer in
meinem Stammbaum. Aber das hat mich noch nie wirklich interessiert.
Als ich etwa fünfzehn war, beschäftigte ich
mich (wie alle Teenager) sehr stark mit meinem Aussehen. Irgend jemand,
ich glaube, meine Sologesangslehrerin, hatte mal beiläufig erwähnt,
dass ich asiatische Züge hätte. Ein Blick in den Spiegel bestätigte
mir, was sie angesprochen hatte: Ich hatte eindeutig asiatische Augen!
Mir war die Mandelform meiner Augen vorher gar nicht aufgefallen. Auch
die Breite meines Gesichts deutete ich fortan als Zeichen meiner
Japanischen Herkunft. Ich wurde ganz besessen von dieser Idee. Meine
Haare färbte ich blauschwarz, ich wollte meine vermeintlichen Wurzeln
nicht verleugnen! Den Höhepunkt meiner Asiengeschichte erlebte ich, als
ich einmal allein im Zug nach Zürich unterwegs war. In Baden stiegen
eine Menge Leute hinzu, unter anderem auch eine freundliche junge
Japanerin. Als sie an mir vorbei ging, lächelte sie mir zu. Ich
lächelte natürlich zurück und erkannte in ihrem Blick eine
schwesterlich-segnende Güte. Ich fühlte mich in diesem Moment so stark,
so verbunden mit dieser Kultur. Das konnte kein Zufall sein! Sie hatte
mich erkannt!
Noch heute ist es mir leicht unangenehm, wenn
mir jemand aus dem Orient zulächelt...
Das Gingko-Blatt
Ha! Da habe ich mich doch immer darüber
gefreut, dass ich meine E-mails, anstelle eines Attachment-Symbols oder
eines Dringlichkeits-Ausrufezeichens, mit einem Gingko-Blatt versehen
kann.
(Das Ginkgo-Blatt)
¯

Ich habe dieses Gingko-Blatt immer angeklickt
und war stolz darauf, dass ich bestimmt die Einzige bin, die diese
fantasievolle und kreative Möglichkeit der E-mail Verschönerung nützt.
Natürlich war ich erstaunt darüber, dass ein Microsoft Produkt (Outlook
express) diese Variante überhaupt bietet. Und erst noch das Symbol
eines Baumes, den vermutlich niemand kennt ausser mir (so stelle ich
mir die Welt manchmal vor)! (Der Ginkgo ist nämlich - ich stelle mir
auch vor, ich müsse das hier erklären - ein in Asien heimischer
Zierbaum mit fächerartigen Blättern, hier nur noch sehr selten
anzutreffen und geschützt.) Der langen Rede kurzer Sinn: Ich war sehr
begeistert von meiner Entdeckung. Aber wie das Leben so spielt, ein
Bekannter musste mir den Spass verderben: Es hat sich in einer für mich
sehr peinlichen Situation heraus gestellt, dass das Ginkgo-Blatt kein
solches, sondern nur ein blödes, banales, scheiss Fähnchen ist. Pah! Da
sieht man mal wieder, wer Fantasie sein Eigen nennen kann und wer
nicht!
Meine Güte
Du lieber Himmel, ihr werdets nicht glauben
-ich glaube es selbst kaum: Ich habe tatsächlich Schreibstau. Pah!
Über die zerstörerische Kraft von Ballonen
Bin entsetzt genug, um wieder schreiben zu
können. Das ist ja beruhigend... Heute liess ich mich - wie ein kleines
Kind - von farbigen Ballonen anlocken. Herrje! Typisch... Ich hatte sie
den ganzen Nachmittag lang schon in den Himmel steigen sehen, und
zeitweise erahnte ich sogar Musik. Am Abend hielt ich es dann nicht
mehr aus: Ich musste einfach wissen, was da vor sich ging. Ich folgte
der Ballonspur und landete im neuen Einkaufszentrum. Ah, klar, das hat
ja heute Eröffnung. Ich scherte mich wenig um die Traube von Leuten,
die den Eingang belagerten und trat ein, um das neue Gebiet zu erobern.
Wow, ich war entzückt! So viele Läden, so viele Kleider zum
anprobieren, etliche Taschen, die nach meiner Schulter lechzten,
Schuhe, die nach Sommer riefen! Ich bahnte mir meinen Weg durch einen
Shop nach dem anderen. Überall waren die Gänge verstopft von
Kinderwägen und voller kreischender Kinder. Eine Einkaufsparkeröffnung
scheint DER gesellschaftliche Anlass zu sein, den man als Mutter mit
Kind auf keinen Fall verpassen darf. Leicht genervt vom Gequengel des
Balgs in der Kabine vor mir entschied ich mich trotzdem, zu warten und
eine Hose anzuprobieren. Sie gefiel mir sogar! Ich stellte mich also in
die Schlange vor der Kasse und wartete wieder. Zum Zeitvertreib
betrachtete ich die Kleider, die sie geschickt neben der Warteschlange
platziert hatten. Es ereignete sich das, was eigentlich bei keiner so
geübten Konsumentin wie mir passieren dürfte: ich wollte unbedingt noch
zwei weitere Teile anprobieren! Ich deponierte meine bereits
auserwählte Hose bei der Verkäuferin an der Kasse, so dass ich die
nicht auch noch mitschleppen musste (nicht die Verkäuferin und die
Kasse sind gemeint, sondern die Hose.). Was jetzt ablief, ist ungefähr
das selbe wie oben erwähnt, nur mit dem Unterschied, dass eine
Verkäuferin versehentlich die Türe des Umkleideverschlags öffnete, als
ich barbusig und in Unterhosen da stand. Zum zweiten Mal stellte ich
mich in die Schlange (angezogen natürlich). Warten. Dann kam ich
endlich an die Reihe. Ich zückte nervös meine Karte und wies darauf
hin, dass ich noch eine Hose hier gelassen hätte. "Oh, das tut mir aber
leid, die habe ich wieder zurück gehängt." Ich konnte ein leises
Knurren nicht unterdrücken. Die Dame machte keine Anstalten, ihren
Fehler wieder gut zu machen, also packte ich all mein Hab und Gut
wieder ein und machte mich erneut auf die Suche nach meiner Hose. Dann
lief alles glatt: anstehen, zahlen, möglichst schnell verschwinden.
Erst Richtung Ausgang stach mir Bratwurstduft in die Nase. Je näher ich
zur Pforte zur Freiheit vorrückte, desto stärker wurde er. Ich bekam
richtig Lust auf eine feine, knusprig gebratene Wurst. Bis ich die
Leute sah. Zwei Dutzend Bratwurst fressende Dicksäcke mit Wabbelbäuchen
und/oder Hängebusen. Fettleibige Kinder mit Senf am Kinn.
Picklige "Ich bin schon 40 - na und?"-T-shirt träger. Ich raffte meine
Taschen zusammen und rannte nach Hause. Ich stellte mich auf die Waage.
Ich hatte das Gefühl, allein schon bei diesem Anblick mein in harter
Disziplin abgenommenes Kilo wieder zugenommen zu haben. Aber alles war
gut. Ich gehöre nicht zu diesen Leuten... Mann, habe ich meine
Zigarette genossen...
Nächstes Mal folge ich den Ballonen nur noch,
wenn sie mit Lachgas gefüllt sind.
Interview mit einem angehenden Superstar
Als Autorin kenne ich natürlich viele bekannte
und umjubelte Leute. Mich interessiert immer die Geschichte, die hinter
diesen Leuten steckt. Wie sind sie zum Star geworden? Welche Qualitäten
braucht ein Star? Woher kommt das Selbstvertrauen, das es dazu braucht?
Und um diesen Fragen nachzugehen, habe ich mich entschlossen, nicht den
gängigen Weg zu gehen und eine Person zu befragen, die bereits in aller
Munde ist, sondern einen Menschen mit sehr viel Starpotential
auszufragen, von dem wir garantiert noch viel hören und sehen werden.
Es ist verständlich, dass die Person hier in diesem Interview ihren
Namen nicht bekannt geben möchte. (Ich konnte ihr leider nicht genügend
Geld bieten.)
Location: Wir befinden uns im Kaufleuten in
Zürich in der VIP Lounge. Es ist recht ruhig, ausser uns sind nur noch
ein paar Missen und Kokser anwesend.
Stimmung: Etwas steif
Style: Star: Trägt eine dunkle Gucci
Sonnenbrille und eine Dächlikappe, damit man sie nicht erkennt.
Ausserdem grosse Abendgarderobe: Ein extravagantes tief
ausgeschnittenes, edel kanariengelbes D&G Kleidchen und Prada
Stiefelchen.
Rosa: Wie kommt es, dass du ein so grosses Starpotential hast? Man
schaut dich an, und sofort ist allen klar, dass du ein Star werden
wirst.
Star: (Räkelt sich auf dem Stuhl zurecht) Hmmm... Tja, das ist halt
so...
Rosa: Welche deiner Rollen spielst du am liebsten?
Star: Hmm... Das ist schwierig... OH! Hallo Giusi! (haucht einen
Kuss Richtung Giusi) Was hast du gefragt? Ah, welche Rolle... Ich
weiss nicht recht... Die erfolgreiche Businessfrau?
Rosa: Ich habe in der SI gelesen, dass du dich, um Weltruhm zu
erlangen, auch im Radio betätigen möchtest. Welche Art Sendung schwebt
dir vor?
Star: (gelangweilt) Das hat nicht geklappt. Die Typen vom Radio
bringen nichts auf die Reihe. Sie fanden, meine Stimme sei nicht
Radiotauglich. Aber ich will jetzt sowieso mit Singen anfangen.
(trällert) Wie findest du das?
Rosa (leicht irritiert und verlegen um eine Antwort): Liebst du das
Leben als Star?
Star: Oh nein, ich hasse es! (fährt sich durch die Haare) Oh,
hallo Maya! Ciao Marco! Bussi bussi (macht Kussbewegungen in
Richtung Marco)! (Flüstert zu Rosa:) Die Maya ist so doof, meint
sie sei was besonderes!
Rosa (leicht angewidert - Maya hatte IHR
zugewunken): Hat angehender Ruhm auch negative Seiten?
Star: Oh ja, in der Tat! (richtet sich auf) Alle wollen dich
unbedingt grüssen und hallo sagen, lassen dich nicht in Ruhe!
(winkt aufgeregt einem ihr den Rücken zudrehenden Typen zu) Oh, hallo Daniel!
(Wir machen schnell eine WC Pause, damit sich
der Superstar in spe von der Anstrengung des Interviewgebens erholen
kann.)
Rosa: Wenn ich ein Star werden will: Was rätst du mir?
Star: (Auf einmal sehr nervös, tippelt mit dem Fuss): Also, ich
könnte dir da einen super Coiffeur empfehlen! Und kauf dir doch schöne
Kleider! Wie wärs mit einem total neuen Styling? Tanzen wir ein wenig?
Rosa (ungerührt, blickt auf das Blatt mit den Fragen): Erzähle uns
von deinem Alltag. Kann man sich das als "normaler" Mensch überhaupt
vorstellen?
Star: Ich glaube nicht. Es ist einfach unglaublich anstrengend.
Immer diese Interviews, Fototermine etc... Und an jeder Party musst du
gut aussehen (was für mich natürlich kein Problem ist), aber
trotzdem... Ich glaube, das würdest du nie und nimmer aushalten...
Wollen wir irgendwo hin gehen, wo mehr los ist?
Rosa: Stört es dich nicht, dass alle Leute denken, du seist
oberflächlich?
Star: (Kein Kommentar, konzentriert sich auf ihren Lipgloss:) Ist
der nicht schön? Ich glaube, ich gehe jetzt in den Supermarket. Kommst
du mit? Nicht, okay, tschüss!
Ich bedanke mich recht herzlich für das
Interview. Es war sehr interessant und lehrreich für mich. Leider
mussten wir an dieser Stelle schon abbrechen, da es viel Zeit braucht,
um möglicherweise kommende Konzerte, Filmrollen und Moderationen
vorzubereiten. Ich wünsche meinem Gegenüber trotzdem viel Glück, Erfolg
(aber das ist ja logisch) und Zuneigung von den Fans. Nehmt euch ein
Beispiel daran!
DJ Homestory
Ich habe das Vergnügen, mit einem DJ zusammen
zu wohnen. Das bringt so einige Vorteile:
1.) Mein Mitbewohner sorgt dafür, dass unsere Wohnung beständig von
guter Musik beschallt wird.
2.) Bei uns zu Hause finden die besten Partys statt.
3.) Die Gäste werden, ohne das gross organisieren zu müssen, mit besten
Klängen verwöhnt.
4.) Ich muss mir nie überlegen, ob wir wohl noch Bier im Haus haben.
5.) Aufräumen lohnt sich gar nicht , weil sowieso zwei Stunden später
wieder Unordnung herrscht.
6.) Meine Eltern besuchen mich äusserst ungern und nur in Notfällen.
7.) Egal welche natürlichen oder chemischen Substanzen man begehrt, sie
sind kurzfristig ins Haus lieferbar.
8.) Wir haben Spezialrabatt beim Pizzaservice.
9.) Ich weiss, wo die Hammerpartys steigen und komme gratis rein.
10.) Persönlich sehe ich einen Vorteil darin, immer frühzeitig über die
neusten und besten Erscheinungen auf dem Musikmarkt informiert zu
werden. Dann kann ich immer mitreden, ohne mich darum kümmern zu
müssen.
Aber natürlich gibt es da auch einige Nachteile:
1.) Mein Mitbewohner sorgt dafür, dass unsere Wohnung beständig von
Musik beschallt wird.
2.) Bei uns zu Hause finden immer die besten Partys statt - und ich
räume nachher die Sauerei wieder auf.
3.) Unsere Nachbarn hassen uns wie die Pest.
4.) Seit ich mich weigere die Bierflaschen zu entsorgen, ähnelt unser
trautes Heim einer Altglassammelstelle.
5.) Das Schlafzimmer ist ein Witz. Schlafen kann bei dieser Lautstärke
sowieso niemand.
6.) Überall liegen Kabel herum, über die die angetrunkenen Gäste bei
jeder sich bietenden Gelegenheit stolpern. Dies führt zu einer
Kettenreaktion: Die ständig überfüllten Aschenbecher verstreuen ihren
Inhalt auf dem Boden, die zerbrochenen Gläser hinterlassen Scherben...
7.) Pflanzen haben eine geringe Überlebenschance, da sie nur Qualm zum
Atmen haben und regelmässig mit Bier gegossen werden.
8.) Ich hasse es, wenn sich die weiblichen Partygäste mit meinen
Lidschatten und Lippenstiften nachschminken.
9.) Die vielen Freunde, die bei uns täglich ein und (seltener) aus
gehen, zahlen keine Miete, räumen ihren Dreck nicht weg und sind
empört, wenn die Zigaretten alle sind.
Aber alles in allem betrachtet gefällt es mir
doch recht gut in meinem Zuhause.
220 Volt
Diese Woche ist der brasilianische Musikkumpan
meines DJ Mitbewohners zu Besuch. Ich war sehr gespannt, denn schon vor
seiner Ankunft hatte er uns mit der Ankündigung einer Überraschung sehr
neugierig gemacht. Kaum angekommen, präsentierte er uns mit stolz
geschwellter Brust seine zwei lang ersparten und neu erworbenen
C-DJ-Player aus Brasilien. Im Gegensatz zu den begeisterten Oh- und
Ah-Rufen meines Wohnpartners schrumpfte mein Interesse daran innert
einer halben Sekunde gänzlich weg. Ich stand noch einen Moment Gefallen
vortäuschend davor und schlich mich kurz darauf unbemerkt weg. Männer
und ihre Geräte... Eigentlich interessierte ich mich bis heute nicht
für diese super CD Player, nur wurde ich vorhin zwangsläufig damit
konfrontiert. Es war so verdächtig ruhig in der Wohnung. Ich zwang mich
aus dem Bett, um nachzusehen, was da los ist. Mit ratlosen Mienen
standen die beiden Musiker vor dem Tisch mit den 1000 elektronischen
Geräten und zuckten verzweifelt mit den Schultern. Sie wüssten auch
nicht, was da los sei, aber die beiden funkelnagelneuen Geräte seien
kaputt! Auf dem Boden kriechend verfolgten sie die Kabel bis zur
Stromschiene, wo sie eingesteckt waren. Ein Schrei erklang: "Die sind
ja bei der 220 Volt Schiene eingesteckt!" Na ja, dachte ich, was habt
ihr denn gedacht? Ich hatte ein paar Tage zuvor den Boden sauber
gemacht und stolperte aus Versehen über ein paar Stecker. Ordentlich
wie ich bin, steckte ich sie aber fein säuberlich wieder ein. Nur waren
sie, wie sich jetzt heraus stellte, vorher gar nicht eingesteckt
gewesen. Ich war dummerweise nicht darüber informiert worden, dass in
Brasilien die Apparate mit 110 Volt laufen, und dass man diese
CD-Spieler auf gar keinen Fall in die normale Steckdose einstecken
darf! Durch mein Einwirken ist da jetzt irgend etwas verbrannt und die
Dinger sind kaputt. Ich meine, das hätten sie mir halt sagen müssen,
oder? Und dass der Brasilianer jetzt nicht mehr mit mir redet, finde
ich doch etwas übertrieben...
Leser vs. Musikhörer
Zum Musikhören braucht man die Intelligenz
einer Buschbohne. Zum Lesen schon etwas mehr. Diese Erkenntnis hat mich
heute beim Diskutieren in einer Bar erreicht. Alle kennen Galexico,
aber wer ist Grass? Geredet wird über Coldplay, aber niemand kennt
Coelho. Ich erkenne einfach keinen guten Grund, warum alle in Sachen
Musik bewandert sind, aber so selten jemand in Literatur. Ausser dem
Obengenannten...
Lach doch mal
Ich bin ein sehr unlustiger Mensch. Erst letzthin ist es mir an
einer Party wieder passiert, dass eine junge Frau zu mir gekommen ist
und gesagt hat, ich solle doch mal lachen. Einfach lachen. Dabei war
ich mitten in einem Gespräch mit einem Freund. Trotzdem ist es dieser
Tänzerin sofort aufgefallen, dass ich nicht den Mund verziehe. Jetzt mache
ich mir natürlich entsetzlich viele Gedanken darüber. Lache ich
wirklich zu wenig? Bin ich ein humorloser Mensch? (Nebenbei: Ich fand
es auch überhaupt nicht lustig, als - dies an einer anderen
Veranstaltung - ein mir unbekannter Mann zielstrebig auf mich
zusteuerte und mir seine lange nasse Zunge zwischen die Zähne klemmte.)
Habe ich wirklich keinen Sinn für das Lustige? Ist mein Serotoninspiegel im Vergleich zu dem anderer Leute zu niedrig? Ich
schwankte hin und her zwischen dem Besuch des Abendkurses "Nehmen Sie
das Leben auf die leichte Schulter - lernen Sie lachen" der
Volkshochschule oder dem Konsum eines Serotoninpräparats.
Inzwischen habe ich mich beruhigt und mir von jemandem sagen lassen,
dass es schlichtweg einfach unpassend gewesen wäre, lauthals loszulachen, während mein Freund mir erzählt, dass seine
Partnerin mit ihrem Liebhaber durchgebrannt ist.
Der Mini
Heute war ein heisser Tag. Allerdings kein
heisser Morgen, also war ich nicht dem Wetter gerecht angezogen. Den
ganzen Morgen lang schwitzte ich, was das Zeug hielt, deshalb
entschloss ich mich, über den Mittag schnell etwas Passenderes
einzukaufen. Ich betrat ein Geschäft und kaufte zwei Teile, die ich okay
fand. Ein rotes, enganliegendes Stricktop und einen Minijupe, so mit
Falten und aus Karostoff, ein bisschen wie ein Schottenrock oder eine
zu kurz geratene Schuluniform. Ich liess mir von der Frau an der Kasse
die Preisschilder abschneiden und streifte mein neues Outfit über. Es
war herrlich! Bei jedem Schritt strich die Luft über meine Beine und
kühlte sogar meinen Allerwertesten. Welch ein Unterschied zur Hose, die
verschwitzt an meinen Oberschenkeln geklebt hatte! Frohen Mutes
verliess ich den Laden und machte mich auf den Weg für meinen nächsten
Termin. Beim nächsten Schaufenster blieb mein Blick in meinem
Spiegelbild hängen. Was ich da sah, das war nicht ich! Das war keine
erwachsene Frau, die mich da staunend anglotzte, sondern eine freche,
aufreizende Göre! Fasziniert schaute ich mich genauer an: Das soll ich
sein? Dieses Luder? Ha! Mit meinem besten Model-Gang schritt ich
weiter. Ja, schaut nur, ihr Männer!, dachte ich mir. Und das machten
sie auch. Einige schielten interessiert aus den Augenwinkeln in meine
Richtung, ein ganz kecker pfiff mir nach und andere warfen einfach
einen wachen Blick in meine Richtung. Die Frauen in meinem Alter
hingegen taxierten mich kurz und verwarfen dann verächtlich den Kopf.
So eine Schlampe! Dies liess mich dann doch ein wenig stutzen. Sollte
meine Wahl tatsächlich nicht ganz passend sein? Inzwischen war ich mir
wirklich nicht mehr ganz sicher, ob die Kette an der Seite des Minis
tatsächlich so cool war, wie ich gemeint hatte. Es blieb mir aber
nichts anderes übrig, als weiter Richtung Bahnhof zu gehen, denn sonst
hätte ich meinen Zug verpasst. Als ich zum Gleis kam, fuhr der Zug
pünktlich ein. Die Türen öffneten sich und die Fahrgäste stiegen aus.
Ich stellte mich als hinterste in die Einsteigeschlange, damit ich als
letzte das Treppchen rauf konnte - doch ein Mann mittleren Alters
wollte mir unbedingt den Vortritt lassen. Weshalb - sonnenklar - er
erhoffte, einen Blick unter mein Jüpli zu erhaschen. Nun gut. Die
Tasche an den Po gepresst stieg ich in den Wagen. Ich nahm Platz, was
mein männliches Gegenüber mit einem breiten Lächeln quittierte. Es
stand deutlich in seinem Gesicht geschrieben, was er gedachte, mit so
einem Jüpli zu tun. Es würde jedenfalls nicht lange an seinem Platz
bleiben. Er wurde rot im Gesicht, schlug unbehaglich die Beine
übereinander und legte sich unauffällig die Zeitung in den Schoss.
Betretenes aus dem Fenster starren. Gott sei Dank wurde ich aus dieser
unangenehmen Situation erlöst! Eine Dame erhob sich nämlich von ihrem
Platz und schrie uns alle laut an. "Gottverdammte
Huren-Idioten-Psychiatrie! Gottverdammte Huren-Idioten-Psychiatrie!"
Der Blick des Mannes vis-à-vis von mir wurde magisch von ihr angezogen.
Die Frau wiederholte ihr Statement in gleichbleibender Lautstärke bis
zu meiner Haltestelle, noch verstärkt durch heftiges Schnaufen. Als ich
beim Aussteigen an ihr vorbei ging, überlegte ich mir, ob ich ihr dafür
danken sollte. Ich liess es dann aber bleiben.
In Zukunft werde ich den Mini nur noch
anziehen, wenn ich mit einem Mann unterwegs bin. Was gibt es Schöneres,
als das stolze Glänzen in den Äuglein des wissenden Gegenübers, dass
zwar alle gierig schmachten dürfen, er aber derjenige ist, der mir am
Schluss des Abends den Fetzen vom Leib reissen darf.
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